Glück auf Papier

Man streitet sich bekanntlich gerne und sehr emotional über Religion, Politik und Sport. Ein Phänomen, das mir immer wieder auffällt, wenn man in größerer Runde abends weggeht. Das ist bestimmt legitim und auch gesellschaftlich total anerkannt. Daumen hoch!

Doch mir ist es total egal, welche Vereinsfarben du anhimmelst oder wieso du deinem Gott diesen oder jenen Namen gibst. Solange alles im Rahmen bleibt, bin ich easy damit.
Mit mir verscherzt man erst dann so richtig, wenn man bei der Frage:

„Was ist dein Lieblingsbuch?“

Mit dem Satz: Ich lese nicht so gerne. antwortet.

Freundschaften sind daran zerbrochen. Wohnung von potentiellen neuen Freunden wurden weder auf Staub noch auf Drogen untersucht, nein, ich suche das Bücherregal. Selbst mit schlechten Büchern kann ich leben. Nur eben nicht ohne Bücher.

Mir erschließt sich der Sinn vom Leben ohne Buch einfach nicht. Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin ein Movie Buff wie er im Buche steht. Meine DVDs (und VHS-Kassetten) füllen ganze Regalwände und sind nur einer der Gründe, wieso ich im zukünftigen Kinderzimmer kein Platz für ein Kind hätte! Und so gerne ich mich von einem guten Film verzaubern lasse, es ist einfach nicht das gleiche Gefühl wie bei einem guten Buch. Wann genau haben die Menschen ihre Phantasie verloren und durch hässlichen Zynismus ersetzt?
Wo sind die Zeiten hin, als Bücher auf dem Schulhof getauscht und in der Mittagspause heftig diskutiert wurden? Ich liebe den Gedanken, dass die männliche Buchfigur in meinem Kopf ganz anders aussieht als in eurem. Oder die Geschichte, nach der letzten Seite, in meiner Phantasie ganz anders weitergeht als in euren. Ist das nicht einer der Gründe, wieso wir so begeistert lesen? Wenn ich ein Buch lese und mich mal wieder schockverliebe (ich Buch-Flittchen!), dann nehme ich es mit in die Bahn, die Badewanne und ins Bett (sage ja, Flittchen!). Wie also ist es möglich, dass manche Leute nicht einfach nur kein Lieblingsbuch haben, sondern stolz erwähnen, sie würden maximal die BILD lesen? Als wäre das ein Grund ihnen einen Orden an den Brust zu heften.

Aktuell lese ich übrigens Eleanor & Park und freue mich jeden Tag auf den Moment, wenn ich neben den beiden im Schulbus Platz nehmen darf. Kein Wunder also, dass vor einige Wochen ein Date noch vor der Vorspeise beendet wurde. Auf der Party sah der Typ noch so aus, als könnte er ein guter Kandidat sein, doch leider waren die Hipster-Brille und der Fjällräven-Rucksack wohl nur Requisiten um Buchwürmer wie mich zu ködern. Denn auf die Frage, welches Buch denn die Pole Position in seinem Buchregal ergattern konnte, zuckte der bebrille Nichtleser die Schultern und gab zu: Lesen ist jetzt nicht so mein Ding. Zu seiner Verteidigung möchte ich anmerken, er hatte auch sonst keine Hobbys. Aber das hat mich nicht so sehr getroffen wie die Horrorvorstellung mit einem Literaturverweigerer mein Leben zu verbringen.

Bei jedem geschenkeverlangendem Feiertag verschenke ich Bücher. An alle. An meine Neffen und Nichten, an meine Geschwister, an mein Patenkind, an meine Freunde und meinen Bäcker. Weil Bücher in meinem Leben eine wichtige Rolle spielen und sie für mich Glück auf Papier sind. Und der Weg in mein Herz führt zumindest über vier Bücher im Regal und ein Zitat aus Harry Potter. Nur mal so, liebe Zukunftsehemänner. (Also einer würde mir ja reichen!)

Wie steht ihr zu Bücher und welche Rolle spielen sie in eurem Leben? Erzählt es mir gerne in den Kommentaren, ich bin gespannt wie ein Flitzebogen!

Euer,

avocadogirl

 

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8 Gedanken zu “Glück auf Papier

  1. Huhu 🙂

    Toller Beitrag 🙂 Schön gesagt…Ich kann das so gut nachvollziehen! Ich war letztens auf einer Party und da hat ein Mädel voller Stolz verkündet, „dass sie nicht liest und ihren Verwandten abgewöhnt hat ihr Bücher zu schenken…“ Die war direkt unten durch…Ich dann bei ihr auch als ich sie darauf hingewiesen habe, was das für ein Armutszeugnis ist und sie mir leid tut xD Tut sie aber auch! Glaube solche Leute essen auch kleine Hunde…

    Ich bin froh ein lesendes Exemplar gefunden zu haben. Es gibt Abende an einem Wochenende da gehen wir sogar früher ins Bett – um zu lesen xD Wobei er nicht meine Passion für Harry Potter teilt. Er hat nach dem dritten Band aufgehört die Bücher zu lesen…hätte ihn deswegen beinah verlassen, aber dann ist mir aufgefallen was für schöne grüne Augen er hat und naja man muss Abstriche machen. Wir fangen jetzt die Tage an Harry Potter auf DVD zu schauen, damit er endlich rausfindet, dass Harry am Ende gar nicht stirbt
    LG Denise

    Gefällt 1 Person

    • WAS? Harry stirbt gar nicht? 😉
      Es ist schön zu lesen, dass es da draußen noch Männer mit Buchgeschmack gibt. Das macht Mut!
      Und ich habe neulich ein junges Mädchen getroffen (wollte Smalltalk machen) und sie offenbart mir, dass sie in ihrem ganzen Leben noch NIE ein Buch zu Ende gelesen hat. Glaub mir, ich musste an mich halten!
      Und deine Passion für Harry Potter teilen wir! 🙂
      Liebe Grüße,
      Avocado Girl

      Gefällt 1 Person

  2. Hey 🙂 ich finde du hast es sehr schön gesagt. Lesen ist nicht so eindimensional wie Filme gucken. Jeder hat eine ganz eigene Vorstellung von den Charakteren im Buch. Oder auch der Landschaft… Leider kenne ich auch Leute, die noch nie wirklich gelesen haben… Finde es schade, dass es so etwas gibt! Aber ein paar habe ich auch zum lesen gebracht. Ich habe Ihnen Bücher näher gebracht und darauf bin ich schon sehr stolz!
    Liebe Grüße, Stef / Bookslover24blog
    PS: ich bin total froh, dass ich deinen Blog gefunden habe! 🙂

    Gefällt 1 Person

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