Keine Angst.

Ein Gedanke, der mich schon eine kleine Weile begleitet. Was wäre, wenn wir keine Angst hätten. Wenn wir nicht ständig diese gemeine kleine Frage im Hinterkopf hätten, die hektisch gegen die Zweifelstür klopft und ganz aufdringlich fragt.
Aber was, wenn es schief läuft? 

Nun, diese Sorge hat mich die letzten Jahre ziemlich beschäftigt. Viele meiner Freunde haben sich meinen Plan angehört und mich mit, vor lauter Angst, geweiteten Augen angesehen, energisch den Kopf geschüttelt und immer wieder gesagt: Tue es nicht, es könnte schief laufen!
Ich kam mir vor wie beim Pokern (und ich habe keinen blassen Schimmer vom Pokern) als hätte ich alles in den Topf geworfen und mich auf mein Blatt verlassen. (Ihr müsst zugeben, es klingt zumindest so, als hätte ich den vollen Durchblick beim Pokern)
Neue Wohnung, neue Stadt, neuer Job. Das bedeutet neue Freunde finden zu müssen, sich in einer fremden Umgebung zurecht finden und sich in einem neuen Job von vorne beweisen zu müssen. Das ist Stress, das ist Anstrengung und das ist genau das, was ich machen wollte!
Zu lange habe ich in meinem Lebenskokon gesessen und davon geträumt Dinge zu tun, die Leute machen, die ich bewundere. Ständig habe ich – in einem sich der Situation angemessenem Abstand – zu ihnen hoch geschaut und voller Bewunderung ihr Leben beobachtet. Natürlich aus der Ferne.
Bis ich mir eines Abends, nach einem Glas Rotwein zu viel, eine Frage gestellt habe:
Was würdest du in deinem Leben ändern, wenn du keine Angst hättest? 

Die Antwort habe ich mit einem stumpfen Kajal-Stift auf einen rotweinbefleckte Serviette geschrieben und mir am nächsten Morgen mit nüchternem Blick noch mal angesehen.
Ich würde den Job wechseln, in eine fremde Stadt ziehen und meine Wohnung so einrichten, wie es mir gefällt und nicht angestrengt versuchen den Geschmack meiner Eltern oder Freunde zu treffen, die ich dann damit beeindrucken und überzeugen will, dass auch ich erwachsen geworden bin.
Ein halbes Jahr habe ich die Serviette immer in meiner Handtasche mit mir herum getragen. Und mit jedem Tag hat sie sich schwerer angefühlt, als hätte mir jemand Blei in die billige Imitation einer Louis Vuitton-Tasche gelegt. Das wurde wirklich schlimm und hätte zu einem ernsthaften Haltungsschaden führen können – bis ich zu meinem Chef ins Büro gegangen bin und ihm meine fristgerechte Kündigung auf den Tisch gelegt habe. Verrückt, ich weiß! Wahnsinnig verrückt sogar! Und der erste zittrige Schritt in mein neues Leben.
Man kann also sagen, eine Papierserviette hat mein Leben verändert. Denn während ich mich die ganze Zeit gefragt habe:
„Was, wenn es nicht klappt?“
Hat sie immer wieder das gleiche Mantra wiederholt:
„Ja Schätzchen, aber was, wenn es klappt?“

Die Chancen standen immerhin 50:50.

Das ist jetzt alles knapp zwei Jahre her.
Ich bereue den Schritt kein Stück. Nicht mal ein bisschen. Ich habe meinen Rucksack gepackt, habe alles was mir wichtig ist, mitgenommen und bin endlich in mein Leben gestartet. Einfach so, weil ich darauf vertraut habe, dass es genauso gut auch klappen kann.
Ärgere ich mich über manche Kollegen in meinem neuen Job? Klar, sicher.
Bin ich manchmal müde und falle nur halbtot ins Bett? Natürlich.
Quietscht der Parkettboden in meiner Altbauwohnung, die ich im Winter nur dann warm kriege, wenn ich ein kleines Vermögen ausgebe? Oh ja und wie!
Bin ich glücklicher? UM HIMMELS WILLEN JA!

Nein, dieser Blogbeitrag ist keine Aufforderung den Job hinzuschmeißen und meinem idiotischen Beispiel zu folgen. Es soll euch und mich nur daran erinnern, dass die Chancen immer 50:50 stehen. Wieso also davon ausgehen, dass es schief geht?
Habt keine Angst Dinge zu tun, die euch glücklich machen.

Jetzt meine Frage an euch, an die Mutigen, die sie in den Kommentaren beantworten wollen:
Was würdet ihr in eurem Leben ändern, wenn ihr keine Angst hättet? 

Bis hoffentlich zum nächsten Beitrag. Wenn er euch gefallen hat, zeigt eure Liebe! ❤
Euer

avocadogirl

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10 Gedanken zu “Keine Angst.

  1. Liebes Avocado-Girl,
    ich kenne dich nicht, aber ich möchte mich bei dir bedanken! Dieser Post kam gerade zur richtigen Zeit in mein Leben und ich bin so happy, dass es bei dir so gut geklappt hat. Du bist jetzt ein gutes Beispiel dafür, das man sein Leben doch selber in die Hand nehmen muss.
    Wenn ich keine Angst hätte, würde ich endlich meinen Job wechseln, weil ich schon lange nicht mehr glücklich bin und und am liebsten was mit Medien machen. Nicht immer nur ein bisschen bloggen, sondern so richtig einsteigen. Aber noch bin ich nicht soweit (bin erst 21 habe noch Zeit!).
    Bitte schreib weiter so tolle Blogposts!
    Liebe Grüße an dich,
    Verena

    Gefällt 1 Person

  2. Eigentlich kommentiere ich nie. Aber dieser Beitrag ist einfach mal was anderes, deswegen wollte ich schnell meinen Senf dazu abgeben.
    Ich finde es gut, dass du nicht so tust als wäre so eine Entscheidung voll einfach und man kann nur gewinnen oder so. Du machst Mut, weil es dir gelungen ist, aber du machst keine falschen Versprechen und das mag ich.
    Schöner, ehrlicher Blog. Weiter so.

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  3. Hallo! Wirklich ein wundertoller Post über den Mut, eigene Entscheidungen zu treffen, auch wenn viele aus dem Umfeld die Augen verdrehen oder davon abraten. Man lebt schließlich immer noch sein eigenes Leben und ist selbst dafür verantwortlich, auch für die Fehler, die man macht. Das Recht, Fehler zu machen und Erfahrungen zu sammeln, gehört zum Leben wie Atmen und Schlafen 🙂
    Danke für den tollen Artikel!

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  4. Liebes Avocadogirl,

    wäre ich noch einmal 19, würde ich mir selbst an den Ohren ziehen und sagen: „Hörst du wohl gefälligst auf. das zu machen, was andere von dir erwarten, dass du es tust? Wirst du wohl gefälligst das machen, was DIR liegt, was DIR Freude bereitet, weil es DEIN Leben ist? Danke.“

    Heute, fast 15 Jahre später versuche ich das Beste aus der Situation zu machen, eben leider nicht mir selbst an den Ohren gezogen zu haben. Ich versuche jetzt nachzuholen, was ich gerne sofort getan hätte, es mich aber nicht getraut / zugetraut habe. Es ist nie zu spät dafür, das ist mir klar. Aber einiges hätte einfach viel einfacher sein können, von Anfang an.

    Danke für diesen tollen Artikel ♥

    Liebe Grüße
    Sandra

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    • Liebe Sandra,
      ich muss dir recht geben. Je älter man ist, desto schwerer ist das Umreißen des Ruders. Wenn es dich beruhigt, soooo jung bin ich auch nicht mehr und habe es dennoch geschafft! Und trotzdem blicke ich zurück und frage mich, ob die Jahre davor verschwendet oder nur eine verdammt gute Lektion gewesen sind. Ich entscheide mich bewusst für Letzteres. 😉
      Danke für deinen ehrlichen Kommentar!
      Liebe Grüße,
      Avocado Girl

      Gefällt 1 Person

  5. Liebes Avocado Girl,

    danke für diesen tollen Post! Ich muss sagen, er hatte eine sehr motivierende Wirkung auf mich :D.
    Das mit der 50:50 Chance, sollte ich mir zu Herzen nehmen, ich gehe nämlich immer davon aus, dass es nicht klappt. Wenn ich keine Angst hätte, dann würde ich wahrscheinlich mehr unternehmen und selbstbewusst(er) sein. Dann hätte ich nämlich keine Angst mehr davor nicht gut genug zu sein.
    Das versuche ich dieses Jahr in Angriff zu nehmen!

    Viele Grüße,
    Fred

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    • Lieber Fred,
      2016 könnte dein Jahr werden, wenn du an die guten 50% glaubst. Selbstbewusster werden ist ein super Vorsatz für das frische Jahr und ich bin mir sicher, du wirst viele tolle Erinnerungen sammeln, die du dir dann irgendwann mal wieder vor dein inneres Auge holst und lächelst. Wir kriegen keine Generalprobe für unser Leben. Jetzt!
      Liebe Grüße,
      Avocado Girl

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