Alleine mit mir selbst.

Meine Freunde sind einer der wichtigsten Punkte in meinem Leben. Ohne sie würde die Farbe, die Musik und der Spaß fehlen. Die Erinnerungen, die wir teilen. Wenn nur ein Song, ein Blick reicht und schon setzt sich ein Lächeln auf unsere Lippen, weil wir im Geiste eine Zeitreise beginnen. Zu einem gemeinsamen Augenblick der Vergangenheit, der uns ein warmes Gefühl schenkt. Wie schön ist das Leben mit Freunden, auf die man sich zu jeder Zeit verlassen kann? Wenn das laute Lachen bei einem Spieleabend das Wohnzimmer erfüllt, wenn die Schatten der Kerzen vor uns auf dem Tisch, auf unseren Gesichtern tanzen und wir Polaroidaufnahmen des Moments machen. Nur zur Sicherheit, falls die Erinnerung verblasst und zu verschwimmen droht.
Keinen dieser Abende will ich jemals missen.

Doch wie dringend brauche ich Pause von all dem Lärm, dem Gelächter, der Witze, der Musik und den Menschen. Das bedeutet nicht, dass sie mir zu viel werden oder ich sie nicht mag. Ich bin nur eine Person, die gerne abtaucht, verschwindet, die Schlüssel schnappt und dann einen langen Spaziergang durch die Nacht macht. Nur ich, die Stadt und meine Gedanken. Dann bin ich alleine mit mir selbst, was manchmal eine echte Herausforderung ist. Wenn so viele Ideen, Pläne und Visionen durch meinen Kopf schießen, dass ich glaube einen wahren Sternschnuppenregen zu bewundern. Dann weiß ich, es wir Zeit für meinen Spaziergang, wenn die Stadt schläft und die Lichter hinten den Fenster, die zu unzähligen Leben gehören, langsam weniger werden.
Ist es schlimm, wenn ich sage: Manchmal bin ich mir Gesellschaft genug.

Anti-social ist wohl der Begriff, den man in diesem Zusammenhang nennen würde. Obwohl ich das nicht bin. Ebenso, wie ich weder manisch, noch depressiv bin. Auch, wenn ich mir das schon habe anhören dürfen. Ist es wirklich so verkehrt einfach mal für sich sein zu wollen? Ohne es mit einem Selfie zu dokumentieren, es bei Instagram, Twitter, Facebook und Youtube mit der ganzen Welt zu teilen? Natürlich höre ich jetzt schon die zynischen Bemerkungen, ich würde es ja jetzt auch auf diesem Blog teilen. Der Unterschied ist nur, dass ich die Gedanken für mich behalte. Alles, was mir auf meinem nächtlichen Spaziergang ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat, bleibt zwischen mir und mir. In einer Zeit, in der man sich fast dazu genötigt fühlt alles, bis ins kleinste Detail, mit allen Fremden des world wide webs teilen zu müssen, ist es natürlich eine Randgruppenerscheinung, wenn man zufrieden alleine auf der Couch liegt und einfach nur eines dieser Achtsamkeitsmalbücher aus dem Flow Magazin ausmalt. Mag sein, dass viele glauben, das gesamte Leben spielt sich inzwischen Online ab. Dort, wo wir uns hinter gesichtslosen Avataren und absurden Glitzereinhorn2108-Nicknames verstecken können. Und so gerne ich auch auf dieser Party tanze und amüsante Tweets und spannende Blogposts meiner Blogger-Kollegen lese … ich brauche die Zeit, ganz alleine mit mir selbst.

Wie seht ihr das? Schaltet ihr manchmal auch all die Geräte ab, die euer Leben mit white noise überfluten und bleibt nur für euch oder gehört ihr zu den Menschen, die immer ein kleines Publikum brauchen? Lasst es mich doch in den Kommentaren wissen. Eure Gedanken interessieren mich nämlich wirklich.

Habt einen wundertollen Tag!

Euer,

avocadogirl

Advertisements

5 Gedanken zu “Alleine mit mir selbst.

  1. Wieder mal einmal tolle Gedanken, die du da aufschreibst, und ich denke, dass sich viele damit angesprochen fühlen!
    Wie sehr mag ich es, im Sommer nachts barfuß durch die Felder zu streifen, mir vorzustellen ich hätte eine geheime, superwichtige Mission, oder mich ins Gras zu legen und nur die Sterne zu beobachten. Auch wenn ich schreibe, teile ich diesen Moment nur mit mir selbst, und das meiste, was ich schreibe, wird auch nie von jemand anderem gelesen werden. Überhaupt ist es immer wieder eine große Überwindung, etwas dann doch zu veröffentlichen, aber irgendwie gehört es ja dazu…
    In diesem Sinne: Ich kann dich absolut verstehen! Und kein Moment ohen Selfie oder Tweet ist ein nicht-existenter oder verlorener Moment.
    LG Luana =)

    Gefällt 1 Person

    • Ich hoffe, dass noch mehr Leute sich dem irren Selfie-Wahn entgegen stellen! Ich wünschte mir manchmal mehr Leute um die Uhrzeit auf den Straßen zu treffen, aber dann doch wieder nicht. Weil es dann ja nicht mehr so ruhig wäre. Aber wie man lieber nur virtuelle unterwegs sein kann oder in einem lauten Club überhaupt auch nur einen Gedanken finden kann, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.
      Barfuss durch Felder klingt übrigens traumhaft!
      Liebe Grüße,
      Avocado Girl

      Gefällt 1 Person

  2. Huhu 🙂

    Ich gehöre zu denen Menschen, die ganz schlecht allein sein können…Musste ich bisher auch noch nie….von Zuhause zog ich in eine WG und danach zog ich mit meinem Freund zusammen. Selbst als ich mich allein in der WG – so zu Beginn – fühlte habe ich mir einfach Haustiere angeschafft 🙂 Ich brauche immer Leben um mich herum…und ich habe dabei gern 80% Redeanteil – vielleicht werde ich daher auch Lehrer – xD Bin ich mal unterwegs wohin…telefoniere ich meist oder schreibe SMS. Ich kann daher unglaublich gut auch Kontakt zu Leuten halten mit denen ich nicht mehr in einer Stadt wohne – regelmäßig melden kein Problem für mich – .

    Selfies mache ich aber auch eher selten…und alles teilen muss ich auch nicht…habe ja notfalls meine Tiere zum zutexten und die können nicht entkommen xD

    LG Denise

    Gefällt mir

    • Liebe Denise,
      ich denke, alle Menschen sind unterschiedlich und genau das macht das Leben spannend und schön. Es sind Menschen wie du, die mich aus meiner „Ich will allein sein“-Phase rauszieht und es sind eben auch Menschen wie du, die mir den Raum und die Pause gönnen.
      Und Tiere sind sicherlich eine sehr angenehme Gesellschaft! =)
      Danke für deine Gedanken zu dem Thema.
      Avocado Girl

      Gefällt mir

  3. Wenn mir die Welt da draußen zu laut wird, ziehe ich mich zurück in meine eigene kleine Welt. Denn heutzutage abzuschalten, ist nicht immer einfach, bei den elektronischen „Lärm“ ringsum. Und ja, ich kann noch einfach aus dem Fenster schauen. Und dabei ist nicht das Display von einem Handy gemeint.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s