Ihre Verbindung wird gehalten.

Es gibt tatsächlich Leute, die unter der Dusche telefonieren. Irgendein technisches Wunderwerk erlaubt es uns, trotz Wasserfalldusche und Shampoo in den Augen erreichbar zu sein.

Einige beantworten E-Mails auf der Toilette, kommentieren noch schnell ein Foto bei Instagram und telefonieren, während sie im Fitness-Studio auf dem Laufband sind.

Wenn man von meinem Neid, dass sie 12 Kilometer auf der Stelle rennen können UND dabei genug Sauerstoff in den Lungen haben, um Fragen am Telefon beantworten zu können einmal absieht, finde ich diese Entwicklung einfach nur erschreckend.

Ständige Erreichbarkeit. 

Die meisten meiner Freunde schalten ihr Handy übrigens nie aus. Nicht mal nachts, weil sie es als Wecker nutzen oder eine Einschlafhilfe benötigen, Musik oder ein Hörbuch im Bett hören. Das ist alles okay, das tue ich ja auch! Aber jetzt frage ich mich, habe ich mich von meinem Handy abhängiger gemacht als von meinem WG-Mitbewohner, auf den ich mich verlassen muss, wenn er die Miete überweist oder den Wocheneinkauf übernimmt?

Damals, als ich mein erstes Smartphone bekommen habe, war ich begeistert, habe mit großen Augen das Handbuch studiert und war einfach nur erstaunt über das kleine Teil in meiner Hand, das mir ab sofort das Leben erleichtern wird. Kein Grund mehr meine Kamera mit mir in der Handtasche spazieren zu tragen, habe ich doch mein Handy immer griffbereit.
Telefonnummern der engsten Freunde werden nicht mehr auswendig gelernt, habe doch mein Handy. Kalender, die ich früher gerne mit Freuden ausgefüllt und verschönert habe, plötzlich nur noch unsinniger Ballast im Rucksack.
Mein Smartphone kann alles, was der Gürtel von Batman auch kann. Ich war ein glückliches Batgirl!

Jetzt fühle ich mich eher wie Spiderwomen: Aus großer Macht folgt große Verantwortung!
Ständig bin erreichbar, zu jeder Tages- und Nachtzeit erwartet man eine Antwort.
Auf ein Foto.
Auf einen Tweet.
Auf einer Statusline.
Auf eine E-Mail.
Auf einen Anruf.
Nie hat man geistigen Feierabend, nie hat man eine Pause, nie kommt man wirklich zur Ruhe.

Was ist auf „Ihre Verbindung wird gehalten“ geworden?

Jetzt schalte ich mein Handy abends aus. Ich lasse es im Büro, wenn ich im Wohnzimmer sitze, ich lege es nicht auf den Tisch, wenn ich mich mit Freunden im Restaurant treffe und checke nur noch vier mal täglich meine Meldungen.
So sehr ich mein Handy liebe – und das tue ich – desto mehr engt es mich in meinem Leben ein. Wie ein besitzergreifender Freund, der ständig eine innige Umarmung verlangt und in der Löffelchenstellung einschlafen will.
Ich mag meine Freiheit und deswegen gehen mein Smartphone und ich jetzt eine kleine Beziehungspause ein. Vielleicht ist das der Schlüssel zur inneren Ruhe, die ich gerade sehr verzweifelt suche.
Wenn ihr wollt, halte ich euch diesbezüglich auf dem Laufenden.

Wie steht ihr zu eurem Handy? Wird es ausgeschaltet? Wieviele Apps habt ihr? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Es grüßt das handylose

avocadogirl

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2 Gedanken zu “Ihre Verbindung wird gehalten.

  1. Hallo Avocado-Girl,
    also unter der Dusche telefonieren find ich schon sehr extrem. Ich hab mir bisher nur gewünscht eine Art Siri unter der Dusche zu haben als Merkzettel, denn unter der Dusche fällt mir meist super viel ein (Dinge die ich erledigen will oder Ideen für Beiträge und andere Ereignisse) da wäre es praktisch zu sagen; bitte notieren 😉 und dann isses erledigt. Egal. Mein Handy und ich übernachten in getrennten Zimmern, von wegen Strahlung und so … was auch immer dran ist, schaden tuts nix. Ansonsten bin ich leider schon recht addicted, nur beim Abendessen hat das Ding nix zu suchen … Aber für die innere Ruhe es regelmäßig wegzulegen schadet nix, vor allem halte ich es jedoch für wichtig es abends frühzeitig aus der Hand zu tun und generell nicht mehr auf helle Bildschirme zu schauen (Reduktion von Serotonin -> schlecht schlafen). Innere Ruhe ist aber vor allem auch eine Einstellungssache im Allgemeinen … einfach mak 5 Dinge gerade sein zu lassen und sich grundsätzlich weniger aufzuregen, einfach enstspanner auf Dinge reagieren. Gelingt mir heute mit Mitte 30 viel besser als als Teen oder Twen ….

    LG; Kati

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  2. Liebe Kati,
    danke für deinen Kommentar. Ich denke, wäre ich noch ein Teen oder Twen, ich würde durchdrehen bei dem ganzen Weißen Rauschen. Nein, das wäre nichts für mich.
    Leider hat sich die Industrie ja schon die nächsten Tricks einfallen lassen. Du kannst das Blau aus dem Bildschirm rausfiltern ab einer bestimmten Uhrzeit, daran merken deine Augen: Oh es wird Abend. Ich hatte das auf meinem Laptop, aber dann wurde ich tatsächlich müde und habe es runterschmissen. Ich sollte die App wohl lieber wieder drauf laden.
    Allgemein denke ich nur, dass es uns durch die Verlockungen der digitalen Welt immer schwerer gemacht wird die innere Ruhe zu finden. Wie schnell man sich ausgeschlossen fühlt etc.
    Handy und ich haben auch getrennte Schlafzimmer. Zumindest seit kurzem.:-)
    Liebe Grüße,
    Avocado Girl

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