Von der Liebe zu den Büchern.

Heute ist der Welttag des Buches.

Für manche Menschen ist das jeden Tag so.

Die Liebe zu den Büchern begleitet mich seit meiner Kindheit an, wie es wohl so vielen von uns geht.
Damals, als meine Fantasie nach immer mehr spannenden und abenteuerlichen Orten gesucht hat, habe ich sie im Bücherregal meiner Eltern gefunden.
Ich bin mit Winnetou durch die Prärie des Wilden Westens geritten, habe den Schatz im Silbersee gesucht, war mit meinen Freunden der TKKG-Bande auf Ganovenjagd, bin mit den Fünf Freunden in den Sommerferien verreist und habe später meinen Brief nach Hogwarts bekommen, wo ich Harry, Ron und Hermine kennenlernen durfte.

Bücher, das stand schnell fest, waren meine Tür in andere Leben, fremde Länder und Abenteuer, die mich den ganzen Tag begleitet und nachts in meinen Träumen beschäftigt haben.
Ich war sicher kein schüchternes Kind, hatte Freunde und war auf genug Geburtstagspartys eingeladen um meine Eltern in den Sommerferien in den Wahnsinn zu treiben. Doch immer wieder habe ich mich alleine in meinem Zimmer verkrochen, Bücher gelesen und beim Abendessen über die Ereignisse der letzten Kapitel gesprochen.   Vielleicht habe ich das alles etwas zu lebendig wahrgenommen, den Abschied auf der letzten Seite mehr als einmal beweint und das Buch nach Beenden fest umarmt, als müsse ich einen lieb gewonnenen Freund loslassen.
Wenn andere nur Geschichten in den Bücher fanden, entdeckte ich neue Freunde und sammelte Erinnerungen an Dinge, die mir nie passiert sind.
All das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
Ein Buchliebhaber. 
Jemand, der an keiner Buchhandlung vorbeilaufen kann, ohne auch nur einen Blick ins Innere zu werfen. Nicht immer kaufe ich dann auch etwas, aber ich besuche alte Freunde, die mir damals, als ich mit dem Gipsbein im Bett liegen musste, Gesellschaft geleistet haben. Oder jene, die mir durch den ersten großen Herzschmerz geholfen haben, weil ich mit ihnen ein Happy-End erlesen durfte und weiterhin an die große Liebe glauben durfte.

Ja, es schmerzt mich, wenn ich junge Menschen lieber am Handy als mit einem Buch in der Hand sehe, weil ich nicht glauben kann, dass ein Youtube-Video, ein Tweet oder ein Facebook-Status die Freude schenken kann, die ein Buch beschert.
Deswegen freut es mich, wenn Buchblogger vollkommen begeistert und freudetrunken über ihre aktuelle Lektüre schreiben.
Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn junge Generationen mit der gleichen Begeisterung nach Hogwarts gehen wie ich damals vor fast zwanzig Jahren.
Bücher öffnen den Horizont, schleifen die Fantasie, schenken Freude und Freunde.

Am heutigen Welttag des Buches umarme ich mein liebstes Buch, winke meinen Freunden von damals aus der Prärie zu, streichele den abgegriffenen Ledereinband der Erstausgabe und verkrieche mich mit einer Tasse und meinem neuesten Roman auf die Couch.

Das mit mir und den Büchern ist was Ernstes. Es könnte die wohl größte Liebe meines Lebens sein.
Und bleiben.

Ich wünsche euch allen einen großartigen Lesetag!

Euer,

avocadogirl

Buch der Stunde

Ich persönlich halte wenig von Buchbewertungen, in denen Sterne, Punkte, Schmetterlinge oder Hundewelpen vergeben werden. Genauso, wie kein Fan von vergleichenden Schulnoten bin. Kann man kreative Aufsätze wirklich benoten? Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Heute möchte ich euch von einem Buch erzählen, dass ich gelesen und sehr gemocht habe. Das ist meine sehr persönliche Meinung und gleichzeitig eine Empfehlung ohne Sterne.

13132816Emmy & Oliver ist die Geschichte zweier Freunde aus Kindertagen, die von Robin Benway auf eine äußerst süße, ehrliche und unterhaltsame Art und Weise erzählt wird. Ich habe das Buch auf englisch gelesen, daher erlaube ich mir keine Wertung der deutschen Übersetzung. Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass man – selbst mit einer schwachen Übersetzung – diese süße Geschichte kaputt machen kann.

Worum geht es jetzt aber? Nun, Oliver wird als Kind von seinem Vater entführt (seine Eltern sind getrennt und der Vater ist ganz offensichtlich der Meinung, er könne besser für den Jungen sorgen). Olivers Entführung bringt die kleine Küstenstadt und vor allem Emmys junges Leben ganz schön durcheinander. Von heute auf morgen ist ihr bester Freund nicht mehr da. Ganze sieben Jahre lang, bis die Polizei ihn findet und ihn als Teenager wieder nach Hause (also zu seiner Mom) bringt.
Die Frage, ob man, trotz der sieben Jahre Freundschaftspause, noch immer befreundet sein könnte, finde ich persönlich besonders spannend. Natürlich entwickelt sich eine entzückende Liebesgeschichte zwischen den beiden, die glaubwürdig und charmant erzählt wird. Doch darum geht es nicht. Es geht ums Erwachsenwerden, um Ängste und die Sorgen der Eltern. Um Träume und Ziele und um Freundschaft. Mit anderen Worten: genau mein Ding!
Vor allem Emmy hat es mir angetan, da mir ihr frecher und sarkastischer Humor ausgesprochen gut gefallen hat.
Oliver, der natürlich ein bisschen verschlossen, aber nicht unhöflich oder abweisend ist, hätte das Herz meines 16jährigen Ichs höher schlagen lassen. Ja, okay, er ist einfach verliebenswert. Da, ich habs gesagt!
Ich mag Bücher mit starken Nebenfiguren und mit Drew & Caro haben wir hier ganz wunderbare Charaktere, die nicht das Spotlight stehlen, sondern es mit den Hauptfiguren teilen. Die genau wissen, wann sie zu schweigen und wann zu unterstützen haben. Das liebe ich!
Nachdem ich das Buch gelesen habe, musste ich mir das Hörbuch kaufen, weil ich es mir in der Badewanne, der Bahn und beim Spazierengehen vorlesen lassen wollte. Ja, das ist nerdy und ich stehe dazu, Bücher, denen ich einen besonderen Platz in meinem Herzen freiräume, ziehen in allen Versionen in mein Leben. E-Book, Taschen- und Hörbuch.

In Zeiten, in denen die Buchwelt von psychisch gestörten schwerreichen Schönlingen oder tätowierten Bad Boys auf geklauten Motorrädern dominiert wird, ist diese Geschichte eine absolut willkommene Abwechslung. Natürlich haben wir auch hier das Drama der Kindesentführung, das allerdings nicht den Mittelpunkt der Geschichte einnimmt. Es geht viel mehr um die Beziehungen zwischen den Menschen, ohne dabei die üblichen Klischées zu bedienen. Wer also auf solche Geschichten steht (könnte jetzt sagen, der Schreibstil erinnert an John Green – aber auch das stimmt nicht), dem kann ich mein Buch der Stunde wirklich nur ans Herz liegen.
Wer lieber andere Genres bevorzugt: Traut euch trotzdem, weil die Figuren es wert sich gelesen zu werden.

Ich hoffe, dieser Artikel hat euch nicht gelangweilt und euch vielleicht sogar dazu inspiriert dem Buch eine Chance zu geben.

Liebe Grüße,
avocadogirl

Glück auf Papier

Man streitet sich bekanntlich gerne und sehr emotional über Religion, Politik und Sport. Ein Phänomen, das mir immer wieder auffällt, wenn man in größerer Runde abends weggeht. Das ist bestimmt legitim und auch gesellschaftlich total anerkannt. Daumen hoch!

Doch mir ist es total egal, welche Vereinsfarben du anhimmelst oder wieso du deinem Gott diesen oder jenen Namen gibst. Solange alles im Rahmen bleibt, bin ich easy damit.
Mit mir verscherzt man erst dann so richtig, wenn man bei der Frage:

„Was ist dein Lieblingsbuch?“

Mit dem Satz: Ich lese nicht so gerne. antwortet.

Freundschaften sind daran zerbrochen. Wohnung von potentiellen neuen Freunden wurden weder auf Staub noch auf Drogen untersucht, nein, ich suche das Bücherregal. Selbst mit schlechten Büchern kann ich leben. Nur eben nicht ohne Bücher.

Mir erschließt sich der Sinn vom Leben ohne Buch einfach nicht. Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin ein Movie Buff wie er im Buche steht. Meine DVDs (und VHS-Kassetten) füllen ganze Regalwände und sind nur einer der Gründe, wieso ich im zukünftigen Kinderzimmer kein Platz für ein Kind hätte! Und so gerne ich mich von einem guten Film verzaubern lasse, es ist einfach nicht das gleiche Gefühl wie bei einem guten Buch. Wann genau haben die Menschen ihre Phantasie verloren und durch hässlichen Zynismus ersetzt?
Wo sind die Zeiten hin, als Bücher auf dem Schulhof getauscht und in der Mittagspause heftig diskutiert wurden? Ich liebe den Gedanken, dass die männliche Buchfigur in meinem Kopf ganz anders aussieht als in eurem. Oder die Geschichte, nach der letzten Seite, in meiner Phantasie ganz anders weitergeht als in euren. Ist das nicht einer der Gründe, wieso wir so begeistert lesen? Wenn ich ein Buch lese und mich mal wieder schockverliebe (ich Buch-Flittchen!), dann nehme ich es mit in die Bahn, die Badewanne und ins Bett (sage ja, Flittchen!). Wie also ist es möglich, dass manche Leute nicht einfach nur kein Lieblingsbuch haben, sondern stolz erwähnen, sie würden maximal die BILD lesen? Als wäre das ein Grund ihnen einen Orden an den Brust zu heften.

Aktuell lese ich übrigens Eleanor & Park und freue mich jeden Tag auf den Moment, wenn ich neben den beiden im Schulbus Platz nehmen darf. Kein Wunder also, dass vor einige Wochen ein Date noch vor der Vorspeise beendet wurde. Auf der Party sah der Typ noch so aus, als könnte er ein guter Kandidat sein, doch leider waren die Hipster-Brille und der Fjällräven-Rucksack wohl nur Requisiten um Buchwürmer wie mich zu ködern. Denn auf die Frage, welches Buch denn die Pole Position in seinem Buchregal ergattern konnte, zuckte der bebrille Nichtleser die Schultern und gab zu: Lesen ist jetzt nicht so mein Ding. Zu seiner Verteidigung möchte ich anmerken, er hatte auch sonst keine Hobbys. Aber das hat mich nicht so sehr getroffen wie die Horrorvorstellung mit einem Literaturverweigerer mein Leben zu verbringen.

Bei jedem geschenkeverlangendem Feiertag verschenke ich Bücher. An alle. An meine Neffen und Nichten, an meine Geschwister, an mein Patenkind, an meine Freunde und meinen Bäcker. Weil Bücher in meinem Leben eine wichtige Rolle spielen und sie für mich Glück auf Papier sind. Und der Weg in mein Herz führt zumindest über vier Bücher im Regal und ein Zitat aus Harry Potter. Nur mal so, liebe Zukunftsehemänner. (Also einer würde mir ja reichen!)

Wie steht ihr zu Bücher und welche Rolle spielen sie in eurem Leben? Erzählt es mir gerne in den Kommentaren, ich bin gespannt wie ein Flitzebogen!

Euer,

avocadogirl