Von der Liebe zu den Büchern.

Heute ist der Welttag des Buches.

Für manche Menschen ist das jeden Tag so.

Die Liebe zu den Büchern begleitet mich seit meiner Kindheit an, wie es wohl so vielen von uns geht.
Damals, als meine Fantasie nach immer mehr spannenden und abenteuerlichen Orten gesucht hat, habe ich sie im Bücherregal meiner Eltern gefunden.
Ich bin mit Winnetou durch die Prärie des Wilden Westens geritten, habe den Schatz im Silbersee gesucht, war mit meinen Freunden der TKKG-Bande auf Ganovenjagd, bin mit den Fünf Freunden in den Sommerferien verreist und habe später meinen Brief nach Hogwarts bekommen, wo ich Harry, Ron und Hermine kennenlernen durfte.

Bücher, das stand schnell fest, waren meine Tür in andere Leben, fremde Länder und Abenteuer, die mich den ganzen Tag begleitet und nachts in meinen Träumen beschäftigt haben.
Ich war sicher kein schüchternes Kind, hatte Freunde und war auf genug Geburtstagspartys eingeladen um meine Eltern in den Sommerferien in den Wahnsinn zu treiben. Doch immer wieder habe ich mich alleine in meinem Zimmer verkrochen, Bücher gelesen und beim Abendessen über die Ereignisse der letzten Kapitel gesprochen.   Vielleicht habe ich das alles etwas zu lebendig wahrgenommen, den Abschied auf der letzten Seite mehr als einmal beweint und das Buch nach Beenden fest umarmt, als müsse ich einen lieb gewonnenen Freund loslassen.
Wenn andere nur Geschichten in den Bücher fanden, entdeckte ich neue Freunde und sammelte Erinnerungen an Dinge, die mir nie passiert sind.
All das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
Ein Buchliebhaber. 
Jemand, der an keiner Buchhandlung vorbeilaufen kann, ohne auch nur einen Blick ins Innere zu werfen. Nicht immer kaufe ich dann auch etwas, aber ich besuche alte Freunde, die mir damals, als ich mit dem Gipsbein im Bett liegen musste, Gesellschaft geleistet haben. Oder jene, die mir durch den ersten großen Herzschmerz geholfen haben, weil ich mit ihnen ein Happy-End erlesen durfte und weiterhin an die große Liebe glauben durfte.

Ja, es schmerzt mich, wenn ich junge Menschen lieber am Handy als mit einem Buch in der Hand sehe, weil ich nicht glauben kann, dass ein Youtube-Video, ein Tweet oder ein Facebook-Status die Freude schenken kann, die ein Buch beschert.
Deswegen freut es mich, wenn Buchblogger vollkommen begeistert und freudetrunken über ihre aktuelle Lektüre schreiben.
Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn junge Generationen mit der gleichen Begeisterung nach Hogwarts gehen wie ich damals vor fast zwanzig Jahren.
Bücher öffnen den Horizont, schleifen die Fantasie, schenken Freude und Freunde.

Am heutigen Welttag des Buches umarme ich mein liebstes Buch, winke meinen Freunden von damals aus der Prärie zu, streichele den abgegriffenen Ledereinband der Erstausgabe und verkrieche mich mit einer Tasse und meinem neuesten Roman auf die Couch.

Das mit mir und den Büchern ist was Ernstes. Es könnte die wohl größte Liebe meines Lebens sein.
Und bleiben.

Ich wünsche euch allen einen großartigen Lesetag!

Euer,

avocadogirl

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Das Loben verlernt?

In letzter Zeit spreche ich viel mit Teenagern. Mehr als sonst. Es ist im Moment Teil meines Jobs und öffnet mir die Augen für die großen und kleinen Dinge im Leben.

Neulich kamen wir auf die Frage zu sprechen, ob wir in der heutigen Gesellschaft vielleicht das Loben verlernt haben? Es gab viele Beispiele aus unserem Alltag, die den Jungendlichen eingefallen sind. Von den Lehrern, über ihre Eltern und Freunde bis hin zum bösen, bösen Internet mit seinen Trolls, Kritikern und armen Seelen.

Ungefähr zur gleichen Zeit habe ich bei Twitter eine Diskussion und Unterhaltung zwischen Buchbloggern beobachtet, in der es darum ging, ob sogenannte ‚Rants‘ gegen Büchern (und oft den Autoren dahinter) okay, erlaubt und nicht sogar notwendig seien.

Eine Weile habe ich mitgelesen, mir die Pros und Contras der Parteien, die sehr leidenschaftlich im Vortrag ihrer Argumente waren, durchgelesen und mich dabei ertappt, wie ich selbst anfing darüber zu grübeln, in welchem Maße Kritik an Büchern und den Schriftstellern angebracht ist.

Dann kamen ‚meine‘ Teenager dazu, die mir eine interessante, zusätzliche Sicht auf die Frage gaben. Eines der Mädchen sagte: ‚Wir suchen so sehr den Fehler, weil wir verlernt haben zu loben. Weil wir selbst zu selten gelobt werden.‘

Neulich habe ich ein Buch beendet, das mir total gut gefallen hat. Gut möglich, dass ich es in einem Jahr nicht mehr Wort für Wort zitieren kann, aber für die Dauer des Lesens habe ich es sehr genossen. Aber ist es heute noch okay, wenn man schreibt: ‚Das Buch hat mich super unterhalten.‘

In einer Zeit, in der jeder ein Kritiker ist, in dem es leichter ist die Fehler, Stolpersteine und Schwächen aufzuzeigen, fällt es vielleicht tatsächlich schwer Lob zu posten.
Braucht es diese ‚Rants‘ also wirklich oder sollten wir uns mal wieder mehr im Loben üben?
Kann man das Loben verlernen? 

Meine Teenager sagen JA.

Sie sagen über sich, dass es ihnen leichter fällt, die negativen Dinge bei anderen und sich selbst zu benennen, als die positiven Merkmale. Dabei hatte ich angenommen, Loben ist wie Radfahren – man verlernt es nicht.

Ich habe einige der ‚Rants‘ gelesen, viele waren sehr subjektiv und persönlich, andere sachlich und voller nachvollziehbarer Argumente. Ob man also das richtige Maß an Kritik findet, kommt immer auf die Person dahinter an, nehme ich an.

Doch statt immer nur auf den Schwächen rumzuhacken, sollten wir vielleicht alle mal wieder die positiven Dinge zu schätzen lernen.

An uns selbst.
An anderen.
Aber auch an der Kunst.
An Filmen.
An Serien.
An Büchern.

Es ist leicht über Dinge zu meckern, zu deren Erschaffung wir Verbraucher nicht in der Lage sind. Auch wenn ich jetzt schon die lauten Kommentare höre wie: Ich könnte das besser schreiben, malen, fotografieren, das Tor hätte auch meine Oma noch geschossen …

Ein kleiner Gedankenanstoß für alle: Üben wir das Loben zur Abwechslung mal wieder. Tut sicher nicht weh. Auch wenn man dann weniger ‚angesagt‘ ist oder weniger konträr diskutiert wird und am Ende weniger Klicks bekommt.
Es ist absolut okay, etwas einfach zu mögen. Ohne Haar in der Suppe. Ohne Spurensuche für den kleinen Makel, auf den man sich dann konzentriert und die 340 Seiten Spaß vergisst.

 

Euer

avocadogirl

 

Du bist genug.

Neulich hatte ich das große Glück vor einer Schulklasse sprechen zu dürfen, mir ihre Ängste, Sorgen und Gedanken anzuhören. Dabei wurden die anwesenden Schüler sehr persönlich und haben Dinge erzählt, die sonst vermutlich nicht oft zur Sprache kommen.

Dieser Blogpost ist für euch. Und alle, die es mal wieder hören müssen:

Du bist genug.

Du mit deinen Fehlern, an denen du Tag für Tag arbeitest.
Du mit den Augenringen nach dem Aufstehen.
Du mit der Zahnspange.
Du mit dem schrägen Lächeln.
Du mit dem schlechtesten Musikgeschmack der ganzen Stadt.
Du mit dem zu lauten Lachen.
Du mit den zu leisen Tränen.
Du mit dem großen Herzen.
Du mit den kleinen Brüsten.
Du mit dem roten Fahrrad.
Du mit der verrückten Frisur.
Du mit den wenig Followern.
Du mit den vielen Büchern.
Du mit dem Sprachfehler.
Du mit dem perfekten Leben.
Du mit den lackierten Fingernägeln.
Du mit den Blumen.
Du mit den Narben.
Du mit der Kaffeesucht.
Du mit dem kleinen Gehaltscheck.
Du mit den vielen Payback Punkten.
Du mit der Weizenunverträglichkeit.
Du mit der kleinen Wohnung.
Du mit dem großen Traum.

Du. Einfach nur du.

Wenn ich ehrlich bin, entspreche ich so ziemlich keinem Schönheitsideal. Mein Geschmack bei Filmen und Büchern ist selten Mainstream genug um anerkennende Kommentare dafür zu bekommen. Ich trinke keinen Alkohol, wenn ich mit Freunden auf Partys gehe und ich küsse keine Typen beim ersten Date.

Niemand interessiert sich für meine Fotos auf Instagram.
Niemand würde mir für diesen Blog Bezahlung anbieten.
Niemand hält mir die Tür auf, wenn ich noch schnell in den Fahrstuhl springen will.

Dafür stehe ich zu meinen Fehlern, gebe zu, wenn ich im Unrecht bin, helfe Menschen in die Bahn, nehme Pakete für meine Nachbarn entgegen, weine bei Disney-Filmen, umarme meine Freunde zur Begrüßung und zum Abschied, teile meine Gedanken mit euch und freue mich über frische Blumen.

Damit bekomme ich keinen Friedensnobelpreis, keinen blauen Haken bei Twitter, keine Gehaltserhöhung und tue es dennoch. Weil das manchmal reicht.

Weil ich, so wie ich bin, genug bin. 

Und ihr seid es auch.

Kurz und schmerzlos euer,

avocadogirl

Die Vergänglichkeit des Glücks.

Alles ist gut.
Der Frühling kommt, die Sonne scheint öfter und es ist abends länger hell. Auch wenn es tagsüber immer mal wieder regnet und wir uns noch nicht ganz trauen die Winterjacken in den Keller zu verbannen, so spüren wir doch, der Frühling ist nicht mehr weit.

Dann wird die Natur erwachen, die Bäume blühen, die Sonne wärmt und die Gesichter lächeln immer öfter.

Ich liebe den Frühling und freue mich, nach Monaten der Melancholie, auf die geöffneten Fenster und den Duft der Blumen.

Es sind diese Kleinigkeiten, die mir jetzt in den Sinn kommen, während ich den Schal umlege und in die dicke Jacke schlüpfe, weil es abends doch noch frisch ist. Es sind die Gedanken an den nahenden Frühling, die mich trotzdem schon in Vorfreude lächeln lassen.

Es sollten immer diese Kleinigkeiten sein, vor allem, wenn man sich umschaut. Im Moment passieren viele Dinge auf der Welt, die meisten auf Twitter, voller Rechtschreibfehler in 140 Zeichen.
Oder aber im Mikrokosmos des Freundeskreis.
Während ich mich auf den Frühling freue, bangen Freunde von mir am Krankenbett ihres neugeboren Sohnes, der fast drei Monate zu früh auf die Welt kam.
Andere Freunde nehmen langsam Abschied von Menschen, die ihnen nahe stehen, weil sie den Moment nicht verpassen wollen.
Andere teilen ihre Wohnung und das Leben in zwei, weil nach einer langen, glücklichen Beziehung das Ende erreicht ist.
All diese Schicksale spielen sich nicht direkt in meinem Leben ab und doch ertappe ich mich dabei, wie sie mich mitnehmen.
Vielleicht mehr, als sie sollten.
Aber so bin ich nun mal.

Vor allem aber erinnern sie mich an die Vergänglichkeit des Glücks. 

Was eben noch da ist, kann schon im nächsten Augenblick weg sein. Nicht immer muss das so dramatisch wie bei einem Abschied eines geliebten Menschen sein.

Das Lieblingslied im Radio. Ein Regenbogen über der Brücke. Ein leckeres Abendessen. Ein Abend mit guten Freunden. Ein gutes Buch.
Ein einfacher Grund für ein Lächeln.

Immer wieder predigen wir, wie wichtig solch kleine Momente sind, weil sie in der Summe die dunklen Tage überwiegen sollen.

So wie die Vorfreude auf den Frühling die kalten Wochen davor überwiegen sollte.

Konzentrieren wir uns auf die Glücksmomente, so kurz und vergänglich sie auch sein mögen. Je mehr wir finden, sammeln und in Erinnerung behalten, desto leichter vergehen hoffentlich die traurigen Momente.

Alles wird gut.

Euer,

avocadogirl

Von der Freiheit das zu tun, was man liebt.

Neulich war ich mit ein paar Bekannten essen und das Gespräch kam noch vor dem Hauptgang auf das Thema ‚Arbeitsstress‘ zu sprechen. Viele gestresste Gesichter und noch mehr gestresste Geschichten aus dem Arbeitsalltag verschiedener Branchen. Während ich ihnen an meinem Bruschetta knabbernd zugehört habe, konnte man den Eindruck gewinnen, dass alle Anwesenden ihren Job nicht nur nicht besonders gerne machen, sondern sich beim Stressvergleich ausstechen wollten.

„Ja, aber weißt du, wir haben manchmal auch am Wochenende ein Meeting!“
„Mag ja sein, aber ich darf nur 5 Tage Urlaub am Stück nehmen.“
„Jahaaa, aber bei mir fällt auch noch das Weihnachtsgeld weg!

Irgendwann fiel auf, dass ich nichts zur Diskussion beigetragen habe und das weckte natürlich das Misstrauen. Wie ich meinen Arbeitsalltag denn beschreiben würde.

Dazu muss ich sagen, dass ich seit Januar 2017 selbständig bin und mir meinen Traum erfüllt habe, das was ich liebe auch beruflich zu tun. 

„Nun, ich stehe jeden Morgen auf, um das zu tun, was ich liebe.“ 
„Aber das zahlt doch nicht die Miete!“
„Doch.“
„Unmöglich!“
„Äh. Nein?“
„Wie groß ist deine Wohnung?“
„In welcher Ecke wohnst du?“
„Wie bist du denn versichert?“
„Das ist ein großes Risiko.“

Ich kam gar nicht mehr dazu, meinen Alltag – der selbstverständlich auch mal höchst stressig ist – zu erklären. Stattdessen wurden ich und mein Wahnsinn, eine Festanstellung für einen albernen Traum aufzugeben, zum Hauptthema des Abends. Ich muss wohl nicht erklären, wieso ich das Dessert habe ausfallen lassen.

Auf dem Heimweg habe ich mir dann Erklärungen überlegt, wieso ich das tue, was ich tue und mir fertige Rechtfertigungen für eine potentielle Wiederholung solcher Gespräche überlegt, bis mir an einer Bushaltestelle bei Nieselregen an einem Donnerstagabend alles schlagartig bewusst wurde:

Ich muss mich nicht rechtfertigen. 

Das mag jetzt einfach klingen und viele werden sagen: Das hätte ich dir sagen können. Aber die Wahrheit ist, ganz lange habe ich mich bei Nachfragen zu meinem Beruf erklärt: ‚Ich bin zwar selbstständig, arbeite aber auch dafür immer auch am Wochenende und muss aufs Geld achten.‘
Fast so, als wolle ich die Tatsache, dass ich die Freiheit lebe das zu tun, was ich über alles liebe, entschuldigen.

Wieso? 

Es ist mein Leben. Es ist meine Freiheit und ja, ich habe einen Preis dafür gezahlt. Wissentlich und bei klarem Verstand. Den gleichen Mut kann ich nicht zwingend von anderen Menschen erwarten, das ist mir klar. Wohl aber ist es mein Recht, von meinen Mitmenschen Respekt für meine Entscheidung über mein Leben und meine Zukunft zu fordern. Niemand muss meinen Weg gehen, aber niemand hat das Recht meine Entscheidung zu bewerten.

Unter den ganzen Analysen zu meiner Entscheidung, denen ich mich beim besagten Abendessen aussetzen musste, war nämlich eine Sache deutlich zu hören: die Angst davor, es selber zu tun und die Bewunderung mir gegenüber, es getan zu haben – getarnt als Neid.

Doch Neid ist nichts anderes, als Bewunderung für den Mut oder den Erfolg anderer. 

Meine Freiheit das zu tun, was ich liebe, habe ich mir hart erkämpft und werde sie ebenso hart verteidigen.

Danke.

Euer,

avocadogirl

Wieso es wichtig ist.

Gestern wurde ich als ‚Feministin‚ beschimpft und beleidigt.
Zumindest nahm das mein Gesprächspartner an, als er sich immer weiter in Rage redete und mir vorwarf, ich würde zu viel verlangen.
Würde Rechte einfordern, die mir nicht zustehen.
Was wolle ich denn noch alles, ich dürfte doch als Frau schon wählen.

Und als ihm die ‚Argumente‘ ausgingen, beschimpfte er mich auch noch als unbefriedigte Lesbe, die nur mal wieder einen Mann bräuchte, der mir zeigt, wo der Hammer hängt.

All seine Beleidigungen waren keine. Es waren Begriffe, die er nicht versteht, die ihm Angst machen und die er mir ins Gesicht schleuderte, in der Hoffnung mich damit zu verletzten. All das sagt so viel über ihn aus und rein gar nichts über mich. 

Grund dieser Auseinandersetzung war die Tatsache, dass ich mir erlaubt habe, den ‚Women’s March‚ zu unterstützen – auch wenn ich selber nicht gelaufen bin. Weltweit sind Frauen auf die Straße gegangen, um für ihre (also unsere) Rechte einzustehen.
Weil wir genauso viel Gehalt für den gleichen Job verdienen sollten, wie Männer.
Weil wir über unseren Körper entscheiden wollen. 
Weil wir eine Stimme haben, die so laut, so klar und so schön ist, dass man sie nicht ignorieren kann.
Weil es wichtig ist.

Das Wort Feministin bedeutet weder, dass ich Männer fresse, noch dass ich Männern den Job wegnehmen will und ganz sicher bedeutet es auch nicht, dass ich einfach nur mal wieder Sex bräuchte.

Es bedeutet nur, dass ich weiß, wer ich bin und für was ich meine Stimme erhebe. 

Überall auf der Welt gibt es noch immer Mädchen, denen die Schulausbildung verwehrt bleibt. Nicht nur, weil die Familien vielleicht nicht genug Geld haben oder der Schulweg zu lange ist, sondern weil sie Mädchen sind.
Weil Mädchen nicht das Recht auf Wissen und Unterricht haben. 
Nur, weil sie Mädchen sind.
Weil irgendwelche Männer das irgendwann mal so entschieden haben.
Auch deswegen marschieren Frauen weltweit.

Es geht nicht darum, wer das stärkere Geschlecht ist, wer einen Autoreifen wechseln kann und wer den besseren Orientierungssinn hat.
Es ist KEIN Wettbewerbe.
Es geht um Gleichberechtigung. 

Das ist alles.

Wieso macht es dann manchen so viel Angst?

Ich bin eine Feministin, ich bin nicht lesbisch, ich esse keine Männer, ich bin hoffnungslos romantisch, ich kann einen Autoreifen wechseln und ich gehe wählen. Ich mache meinen Job gut, auch wenn ich meine Periode habe, und ich kann gute Umarmungen geben.
Wenn das alles manchen Männern so große Angst macht, dass sie mich beschimpfen müssen, werde ich jedes Mal beim ‚Women’s March‘ wieder auf die Straße gehen.

Weil es wichtig ist.

Euer,

avocadogirl

 

 

 

Hallo 2017!

2017, lass dich umarmen!

Ein neues Jahr ist für viele Menschen ein Grund ihr Leben zu überdenken, aus den Fehlern der vergangenen 365 Tagen zu lernen und sich zahlreiche Vorsätze an den Kühlschrank zu pinnen, die schon am 3. Januartage vergessen werden, weil die Hektik des Alltags die feierliche Endjahresstimmung vertreibt.

Doch ist es wahr. In jedem neuen Anfang wohnt ein Zauber inne. Wieso also nicht den Jahreswechsel nutzen und das eigene Leben entrümpeln. Das ist mein Vorsatz für 2017.

Für viele (inklusive mir) war 2016 zumindest höchst turbulent, auf jeden Fall aber lehrreich. Dinge, die man als Selbstverständlichkeit hinnimmt, gewinnen an Bedeutung und die Abschiedsumarmung nach einem lustigen Freundeabend sollte zur absoluten Pflicht werden. Telefonate mit den Eltern nicht einfach genervt abrupt beendet werden, sondern mit Geduld geführt und mit Liebe beendet werden. Fremde kann man anlächeln – Überraschung! – die meisten lächeln dankbar zurück. Ein freundliches ‚Guten Morgen‘ wenn man den Lieblingsbäcker betritt schadet übrigens auch nicht.

Und dann haben wir sie alle. Die unliebsamen Erinnerungen, emotionaler Ballast und belastende Kollegen, die viel zu viel Platz in unserem Leben einnehmen und denen wir mit jeder Unterhaltung mehr Raum geben. Doch die Frage ist: Wieso?
Unser Leben ist kein Komposthaufen für ihre Probleme.

Leider gehöre ich zu den Menschen, die fremde Probleme mit nach Hause nehmen, sie dort wälzen und irgendwann zu den eigenen machen, obwohl mein Verstand mir entgegenbrüllt, dass es NICHT meine Sache ist, ihre Kämpfe auszutragen!

2017 werde ich also lernen an den richtigen Stellen NEIN zu sagen. Freundlich, aber bestimmt Grenzen aufstellen. Nicht um andere vor den Kopf zu stoßen, sondern um die unheimlich wichtige emotionale Energie vor den ‚Tanktouristen‘ zu schützen, die sich gerne an meiner Zapfsäule Energie ablassen, aber selten etwas zurückgeben.
Stattdessen möchte ich mir etwas mehr ‚Me-Time‚ gönnen, ein gutes Buch, ein schöner Film, eine Playlist mit meinen Lieblingsliedern oder ein Bad.

Ist das egoistisch?

Möglich. Vielleicht aber auch einfach nur vernünftig.

2017 werde ich mehr Freunde umarmen, öfter ausgelassen tanzen, herzhaft lachen, mir meine kindliche Begeisterung bewahren und lächeln, wann immer mir danach ist.

Ich habe keine Ahnung, welches Überraschungsei 2017 für mich parat hält, aber ich freue mich auf Abenteuer und Herausforderungen, auf schöne Momente und feste Umarmungen.

Euch wünsche ich viel Gesundheit und Ausdauer um eure Träume zu jagen!

Frohes neues Jahr!

Euer,

avocadogirl

Fußspuren .

Es mag an meinem Fernweh nach dem Meer liegen, dass ich mich aktuell verstärkt mit Sandstränden beschäftige. Oder aber, es ist ein Gedanke, den ich einfach nicht mehr los werde, je öfter ich im Netz oder im realen Leben (ja, ich habe sowas) darüber stolpere.

Wenn junge Menschen über ihre Zukunft sprechen, dann hört man oft so motivierende Mantras wie ‚Mach, was dich glücklich macht‚. Die Tassenindustrie wird vermutlich pro Jahr Millionen Keramikdinger mit Sprüchen wie ‚Do more of what makes you happy‚ oder  ‚Do what you love‚ los. Bei Abi-Reden hören wir ehemaligen Lehrern zu, wie sie Sachen sagen wie: ‚Und erfüllt eure Träume, lebt intensiv und lasst keine Chance aus blabla etc. etc. pp.‘

Doch wehe es gibt da draußen wirklich mal einen Querdenker, der beschließt seine ganz eigenen Fußspuren hinterlassen zu wollen. Der sich gegen den von der Gesellschaft akzeptierten Weg entscheidet und munter losmarschiert im festen Glauben schon – eben auf seine Art und Weise – ans Ziel zu kommen. Dann sind die Stimmen der Zweifler lauter, es wird zurück gerudert Marke: ‚Das sind Kalendersprüche, die kann man doch nicht ernst nehmen!‘

Erst Flügel verpassen und dann stutzen. Ernsthaft?

Was ist verkehrt daran, einen anderen als den bekannten Weg zu gehen? Wir Frauen haben doch den Ruf ohnehin keinen besonders ausgeprägten Orientierungssinn zu haben. Wir entdecken also neue Wege jedes Mal, wenn wir zum Grillfest einer Bekannten fahren. Wieso also nicht auch im Leben mal Spuren dort hinterlassen, wo vielleicht noch nicht alle Touristen in Adidellen oder Flip Flops ihre Abdrücke in den Sand gerammt haben?

Wieso wird uns zum Abschluss der Schule oder der Uni oder der Ausbildung versprochen, dass uns alle Türen offen stehen, wenn wir nur fest genug daran glauben? Wenn wir uns anstrengen und auf das Bauchgefühl hören.

Dinge tun, die wir lieben.

Eigene Wege gehen.

Fußspuren im Sand hinterlassen.

Nennt mich ruhig naiv, aber ich bin der festen Überzeugung, dass es sich lohnt auch mal das Navi auszuschalten, nur um zu sehen ob der vermeintliche Umweg sich nicht einfach nur als der eigene Weg entpuppt.

Seid mutig, traut euch!

Euer

avocadogirl

 

Immer mehr. Nie genug?

Willkommen in der Generation ‚mehr‘.

Zumindest fühlt es sich für mich in letzter Zeit so an. Ja, ich habe mir mal wieder eine meiner Kaffeepause gegönnt und einfach mal beobachtet, nicht alles sofort aufgeschrieben oder abfotografiert. Soll ja angeblich gesund und reinigend wirken.
Mit einem Rucksack voller Gedanken sitze ich jetzt wieder zu Hause und stelle mir immer und immer wieder die selbe Frage:
Verlangen wir immer nach mehr? Haben wir nie genug?

Wenn ich meinen Kollegen bei der Arbeit zuhöre, wiederholen sich die Themen schnell und die Grundessenz ist klar: Sie wollen mehr!
Mehr Geld.
Mehr Erfolg.
Mehr Urlaub.
Mehr Freizeit.
Mehr Quadratmeter.
Mehr Liebe.
Mehr Kinder.
Mehr Hobbys.
Mehr Unabhängigkeit.
Mehr Freunde.
Das, was sie haben wird gerne verglichen mit dem Zufriedenheitskonto der anderen und siehe da: Scheinbar ist nebenan das Gras nicht nur grüner, sondern auch besser geschnitten, weicher, gemütlicher und vor allem M E H R.

Zuhause habe ich also mal nachgedacht (auch das soll ja angeblich gesund sein) und siehe da, ich habe weniger Geld als die meisten meiner Freunde, wenig Zeit, kaum noch Gläser und fast alle Tassen haben einen Sprung oder einen Mängel. Meine Küche ist winzig, meine Wohnung könnte man romantisiert als kuschelig, realistisch als klein bezeichnen. Will ich mehr?
Mehr Verantwortung?
Mehr Sorgen?
Mehr Kredit?
Mehr Zeit?
Mehr Stresshormone?
Keine Sorge, ich tische euch keine Lüge Marke Ich-habe-alles-was-ich-brauche-auf. Denn es gibt viel zu viele DVD-Boxen, die sich noch nicht in meinem Besitz befinden. Zu viele Folgen Game of Thrones, die ich noch nicht gesehen habe und, machen wir uns nichts vor, mein Asia-Imbiss um die Ecke hat über 300 Gerichte, von denen ich gerade mal 8 probiert habe. Natürlich will ich auch mehr!
Aber mein erklärtes Lebensziel soll es nicht sein immer nach dem zu streben, was ich gerade nicht habe. Stattdessen schlage ich euch was vor.
Lasst uns eine Liste mache mit den Dingen, von denen wir gerade (just in diesem Moment) genug haben. Dinge, über deren Existenz wir uns freuen (und ja, ‚Dinge‘ können jetzt auch Menschen, Tiere und Gefühle sein – verzeiht mir die Verallgemeinerung, okay?).

Ich fange an:
Meine ‚genug‘-Liste:
Kissen
Kerzen
Liebe
Nudeln
Glücksmomente
Bloggerfreunde
Real life Freunde
Kaffeefilter
Finger (soll man nicht unterschätzen!)
Lachfalten um die Augen
Geniale Playlists bei Spotify
Papiertüten
Ü-Eier-Figuren
Ohrringe
Momente für mich
Süße/liebe/rührende WhatsApp Nachrichten
Gründe um zu Lachen.

So! Und jetzt hier. Hinterlasst mir gerne eure Liste mit den Dingen, von denen ihr heute genug habt in den Kommentaren!
Willkommen Generation-‚eigentlich ist das Leben nicht verkehrt‘. 

Euer,

avocadogirl

Ihre Verbindung wird gehalten.

Es gibt tatsächlich Leute, die unter der Dusche telefonieren. Irgendein technisches Wunderwerk erlaubt es uns, trotz Wasserfalldusche und Shampoo in den Augen erreichbar zu sein.

Einige beantworten E-Mails auf der Toilette, kommentieren noch schnell ein Foto bei Instagram und telefonieren, während sie im Fitness-Studio auf dem Laufband sind.

Wenn man von meinem Neid, dass sie 12 Kilometer auf der Stelle rennen können UND dabei genug Sauerstoff in den Lungen haben, um Fragen am Telefon beantworten zu können einmal absieht, finde ich diese Entwicklung einfach nur erschreckend.

Ständige Erreichbarkeit. 

Die meisten meiner Freunde schalten ihr Handy übrigens nie aus. Nicht mal nachts, weil sie es als Wecker nutzen oder eine Einschlafhilfe benötigen, Musik oder ein Hörbuch im Bett hören. Das ist alles okay, das tue ich ja auch! Aber jetzt frage ich mich, habe ich mich von meinem Handy abhängiger gemacht als von meinem WG-Mitbewohner, auf den ich mich verlassen muss, wenn er die Miete überweist oder den Wocheneinkauf übernimmt?

Damals, als ich mein erstes Smartphone bekommen habe, war ich begeistert, habe mit großen Augen das Handbuch studiert und war einfach nur erstaunt über das kleine Teil in meiner Hand, das mir ab sofort das Leben erleichtern wird. Kein Grund mehr meine Kamera mit mir in der Handtasche spazieren zu tragen, habe ich doch mein Handy immer griffbereit.
Telefonnummern der engsten Freunde werden nicht mehr auswendig gelernt, habe doch mein Handy. Kalender, die ich früher gerne mit Freuden ausgefüllt und verschönert habe, plötzlich nur noch unsinniger Ballast im Rucksack.
Mein Smartphone kann alles, was der Gürtel von Batman auch kann. Ich war ein glückliches Batgirl!

Jetzt fühle ich mich eher wie Spiderwomen: Aus großer Macht folgt große Verantwortung!
Ständig bin erreichbar, zu jeder Tages- und Nachtzeit erwartet man eine Antwort.
Auf ein Foto.
Auf einen Tweet.
Auf einer Statusline.
Auf eine E-Mail.
Auf einen Anruf.
Nie hat man geistigen Feierabend, nie hat man eine Pause, nie kommt man wirklich zur Ruhe.

Was ist auf „Ihre Verbindung wird gehalten“ geworden?

Jetzt schalte ich mein Handy abends aus. Ich lasse es im Büro, wenn ich im Wohnzimmer sitze, ich lege es nicht auf den Tisch, wenn ich mich mit Freunden im Restaurant treffe und checke nur noch vier mal täglich meine Meldungen.
So sehr ich mein Handy liebe – und das tue ich – desto mehr engt es mich in meinem Leben ein. Wie ein besitzergreifender Freund, der ständig eine innige Umarmung verlangt und in der Löffelchenstellung einschlafen will.
Ich mag meine Freiheit und deswegen gehen mein Smartphone und ich jetzt eine kleine Beziehungspause ein. Vielleicht ist das der Schlüssel zur inneren Ruhe, die ich gerade sehr verzweifelt suche.
Wenn ihr wollt, halte ich euch diesbezüglich auf dem Laufenden.

Wie steht ihr zu eurem Handy? Wird es ausgeschaltet? Wieviele Apps habt ihr? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Es grüßt das handylose

avocadogirl