Be yourself.

In letzter Zeit lese ich immer wieder diese klassischen Sprüche auf Twitter oder Instagram, wo es heißt: Be yourself! (gerne wird dann noch ein witziger Twist mit dem Einhorn oder Batman angehängt – vermutlich, weil es dann leichter zu ignorieren ist).
Doch wenn man sich auf eben diesen sozialen Medien mal genauer umsieht, so klingt das sich ständig wiederholende Mantra doch wirklich wie die Behauptung bei Bodybuildern würden man auf der Bühne echte Sommerbräune erkennen können.

Was bedeutet be yourself heute noch? Ist es wirklich eine ernstgemeinte Aufforderung der Mensch zu sein, der man ist? Bekommt man für ein Bild in Pyjamahose, zerzauster Frisur, dringend benötigtem Kaffee und Augenringe am Sonntagmorgen in der Küche wirklich so viele Klicks, Likes, Favoriten und Herzen, wie für das eines frisch gepressten Smoothie, der den Hashtag #tasty verpasst bekommt und dann im Müll landet, weil er nämlich genau das nicht ist?
Wohl kaum.
Was fehlt der Netzgemeinde in der heutigen Zeit zur Authentizität? Der Mut? Oder das Verständnis für die verfloskelte Redewendung be yourself.
Denn dank der zahlreichen Filter, die uns Instagram und co. zur Verfügung stellen, ist es leicht den perfekten Look eines perfekten Lebens in einem perfekten Feed zu generieren. Nur ist es eben nicht mehr das echte Leben. Es ist als würde man in einen dieser verrückten Zerrspiegel schauen, die es früher auf der Kirmes gab. In denen man dicker, dünner, größer oder kleiner aussah. Wir faken ein Abbild unserer Realität um den Schein zu wahren, um mitzumachen, um dabei zu sein. Wir drapieren unser Essen, bevor wir es fotografieren und es mit der Welt teilen. Wir posten spontane Schnappschüsse, die erst beim 17. Versuch so gut aussehen, dass wir sie online stellen wollen. 
Natürlich streiten wir das alle ab. Wir doch nicht. Wir predigen schließlich auf eben diesen Plattformen genau das Gegenteil: be yourself! 

Wirklich? 

Ich habe einen Blick auf meinen Instagram-Feed geworfen und musste feststellen, dass nur zwei Fotos mein Leben und mich so zeigen, wie wir wirklich sind. Eine absurde Symbiose, die im Chaos existiert und – zu meiner Überraschung – funktioniert. Trotzdem wette ich, dass mein Leben am Stammtisch über mich herzieht und sich beschwert, wieso ausrechnet es so eine Chaotin wie mich abgekriegt hat. Das ist okay, ich schimpfe auch manchmal über mein Leben und träume mich auf die Sonnenseite der Welt, wo ich Cocktails schlürfe, Geld durch Blogposts wie diesen verdiene und gar keinen Filter für meine Fotos brauche, weil der Sonnenuntergang auf Bali nun mal wirklich diese Farben an den Himmel pinselt.
Trotzdem bin ich froh, wenn ich abends im Bett liege und weiß, dass ich mit meinem Leben ziemlich zufrieden bin. Ja, ich bin sogar mit mir zufrieden. Jeden Tag werde ich jetzt daran arbeiten wirklich ich zu sein. Vorbei die alberne Zeit der Gefällt-mir-Jagd und Hipsterfotos, die ich stundenlang ausleuchte, bevor sie dem gestiegenen Anspruch der User entsprechen. Früher hat man doch auch einfach ein Foto geschossen und gehofft, es ist kein totaler Ausfall, wenn man die Abzüge beim Fotoladen um die Ecke abgeholt hat. Selbst die verwackelten und unscharfen Momentaufnahmen wurden gerahmt, rumgezeigt und mit Stolz betrachtet. Jetzt werden sie vom Handy oder der Kamera gelöscht, bevor sie Speicherplatz für den perfekten Schnappschuss wegnehmen können.
Schade.
Weil es nie die perfekten Momente sind, an die wir uns am liebsten zurück erinnern. Es sind die Abende, an die man die größten Erwartungen hatten, die gnadenlos in die Hose gingen und mit der besten Freundin, einer Tüte Chips und einer Folge Gilmore Girls auf der Couch geendet sind.
Es sind die Partys, mit der schlechten Musik, den albernen Tänzen, den nach Erdbeerlimes-schmeckenden Küssen mit dem witzigen Typen, der zwar nicht aussah wie Michael Fassbender, einen aber zum lachen gebracht hat.

Wenn mein Leben am Ende als Fotostrecke bei Instagram vor meinem inneren Auge vorbeiziehen würde, dann wünsche ich mir viele verwackelte und unscharfe Bilder, dann wünsche ich mir Fotos von mir ohne Make-up und in schrecklichen Klamotten an einem bad hair day. Den 97% meines Lebens sind eben genau so. Unperfekt schön. Ich wünschte, wir könnten alle mehr dazu stehen.

Be yourself. Be real.

Euer

avocadogirl

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TV Nerd Problems

Ich weiß ja nicht, wie es euch mit TV-Serien so geht, aber in meinem kleinen Leben spielen sie eine ungesund wichtige Rolle. Nicht alle, keine Sorge, ich kann sehr gut damit leben, wenn ich eine Folge GZSZ verpasst – was daran liegt, dass ich mich nur schwer für die kleinen und großen Dramen der Berliner Clique begeistern kann.
Aber gibt es nicht immer diese eine Serie, bei der wir uns einfach wie zu Hause fühlen und die Figuren wie gute Freunde in unser Leben lassen? Aufgeschrieben klingt es viel verrückter, als ich befürchtet habe. Gut möglich also, dass ich nach dem Schreiben dieses Beitrages von den Männern in den weißen Kitteln abgeholt und zur Sicherheit der Gesellschaft in einer weich gepolsterten Zelle weggesperrt werde. So lange es dort einen Fernseher gibt, klingt das für mich gar nicht so übel. Und Internet!

Ich liebe meine Freundinnen und möchte sie für nichts auf der Welt eintauschen oder hergeben. Aber wenn es um Serien-Freunde geht, wünsche ich mich manchmal auf die bequeme Couch ins Central Perk oder aber auf einen Mitternachtsnack mit Carrie und den Mädels irgendwo in New York. Wenn ich mich in eine Serie verliebe (und das kommt ziemlich oft vor), dann adoptiere ich die Figuren und tue mich sehr schwer mit dem Abschied nach der letzten Staffel. Und zwar so Taschentücher-Schokolade-traurige-Musik-schwer. Das stößt dann meistens auf Unverständnis, weil es ja nur fiktive Figuren sind, die von Schauspielern verkörpert werden, die Dialoge aussagen, die irgendwelche Drehbuchautoren aufschreiben um uns TV-Serien-Nerds das Herz zu brechen. Schon klar.
Aber nicht minder schmerzhaft.
Was macht man also, wenn man feststellt, dass man viel besser in eine TV-Serie als in das echte Leben passt? Ich bin z.B. der festen Überzeugung, dass ich mich in den Lebenskrisen von den Gilmore Girls viel besser schlagen würde, als in meinen. Immerhin könnte ich das mit Rory bei einem Kaffee in Luke’s Café besprechen. In Serien ist auch das Wetter meistens schöner. Und die Feiertage werden noch so richtig gefeiert.
Außerdem ist mir aufgefallen, dass die meisten Haustüren in Stars Hollow gar nicht abgeschlossen sind und man sich trotzdem keine Sorgen um Einbrecher machen muss.

Wo bewirbt man sich noch mal als fiktive Figur und bekommt einen Drehbuchautoren fürs Leben, der an den richtigen Stellen den geheimnisvollen Bad Boy um die Ecke kommen lässt? Mir hat noch nie jemand ein Auto gebaut! Machen wir uns nichts vor, wenn man Serien so lebt wie ich es tue, dann sind die Erwartungen an eine reale Beziehung doch utopisch hoch!
Im Vergleich zu meinen Erwartungen wirkt das Burj Khalifa wie ein Miniaturtürmchen. Und wieso? Weil es Serienmänner wie Dylan McKay, Pacey Witter, Jess Mariano und Mr. Big gibt. Schönen Dank auch!

Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als dem weißen Hasen ins Wunderland zu folgen und mir für heute Abend eine gute Folge Sex and the city auszusuchen! Niemand leidet so schön in einem Drama wie Carrie Bradshaw. Nicht mal ich. Und das will was heißen.

Und wie sieht es bei euch aus? Habt ihr schon mal bei einer Serien so richtig mitgelebt und eure Dreamteam angefeuert? Damon oder Stefan?
Traut euch, es bleibt auch unter uns im Gemüsekorb, versprochen!
Ach und traut euch ruhig auf die Links zu klicken. Es lohnt sich. 😉

Bis zum nächsten Beitrag!
Euer avocadogirl