Fußspuren .

Es mag an meinem Fernweh nach dem Meer liegen, dass ich mich aktuell verstärkt mit Sandstränden beschäftige. Oder aber, es ist ein Gedanke, den ich einfach nicht mehr los werde, je öfter ich im Netz oder im realen Leben (ja, ich habe sowas) darüber stolpere.

Wenn junge Menschen über ihre Zukunft sprechen, dann hört man oft so motivierende Mantras wie ‚Mach, was dich glücklich macht‚. Die Tassenindustrie wird vermutlich pro Jahr Millionen Keramikdinger mit Sprüchen wie ‚Do more of what makes you happy‚ oder  ‚Do what you love‚ los. Bei Abi-Reden hören wir ehemaligen Lehrern zu, wie sie Sachen sagen wie: ‚Und erfüllt eure Träume, lebt intensiv und lasst keine Chance aus blabla etc. etc. pp.‘

Doch wehe es gibt da draußen wirklich mal einen Querdenker, der beschließt seine ganz eigenen Fußspuren hinterlassen zu wollen. Der sich gegen den von der Gesellschaft akzeptierten Weg entscheidet und munter losmarschiert im festen Glauben schon – eben auf seine Art und Weise – ans Ziel zu kommen. Dann sind die Stimmen der Zweifler lauter, es wird zurück gerudert Marke: ‚Das sind Kalendersprüche, die kann man doch nicht ernst nehmen!‘

Erst Flügel verpassen und dann stutzen. Ernsthaft?

Was ist verkehrt daran, einen anderen als den bekannten Weg zu gehen? Wir Frauen haben doch den Ruf ohnehin keinen besonders ausgeprägten Orientierungssinn zu haben. Wir entdecken also neue Wege jedes Mal, wenn wir zum Grillfest einer Bekannten fahren. Wieso also nicht auch im Leben mal Spuren dort hinterlassen, wo vielleicht noch nicht alle Touristen in Adidellen oder Flip Flops ihre Abdrücke in den Sand gerammt haben?

Wieso wird uns zum Abschluss der Schule oder der Uni oder der Ausbildung versprochen, dass uns alle Türen offen stehen, wenn wir nur fest genug daran glauben? Wenn wir uns anstrengen und auf das Bauchgefühl hören.

Dinge tun, die wir lieben.

Eigene Wege gehen.

Fußspuren im Sand hinterlassen.

Nennt mich ruhig naiv, aber ich bin der festen Überzeugung, dass es sich lohnt auch mal das Navi auszuschalten, nur um zu sehen ob der vermeintliche Umweg sich nicht einfach nur als der eigene Weg entpuppt.

Seid mutig, traut euch!

Euer

avocadogirl

 

Immer mehr. Nie genug?

Willkommen in der Generation ‚mehr‘.

Zumindest fühlt es sich für mich in letzter Zeit so an. Ja, ich habe mir mal wieder eine meiner Kaffeepause gegönnt und einfach mal beobachtet, nicht alles sofort aufgeschrieben oder abfotografiert. Soll ja angeblich gesund und reinigend wirken.
Mit einem Rucksack voller Gedanken sitze ich jetzt wieder zu Hause und stelle mir immer und immer wieder die selbe Frage:
Verlangen wir immer nach mehr? Haben wir nie genug?

Wenn ich meinen Kollegen bei der Arbeit zuhöre, wiederholen sich die Themen schnell und die Grundessenz ist klar: Sie wollen mehr!
Mehr Geld.
Mehr Erfolg.
Mehr Urlaub.
Mehr Freizeit.
Mehr Quadratmeter.
Mehr Liebe.
Mehr Kinder.
Mehr Hobbys.
Mehr Unabhängigkeit.
Mehr Freunde.
Das, was sie haben wird gerne verglichen mit dem Zufriedenheitskonto der anderen und siehe da: Scheinbar ist nebenan das Gras nicht nur grüner, sondern auch besser geschnitten, weicher, gemütlicher und vor allem M E H R.

Zuhause habe ich also mal nachgedacht (auch das soll ja angeblich gesund sein) und siehe da, ich habe weniger Geld als die meisten meiner Freunde, wenig Zeit, kaum noch Gläser und fast alle Tassen haben einen Sprung oder einen Mängel. Meine Küche ist winzig, meine Wohnung könnte man romantisiert als kuschelig, realistisch als klein bezeichnen. Will ich mehr?
Mehr Verantwortung?
Mehr Sorgen?
Mehr Kredit?
Mehr Zeit?
Mehr Stresshormone?
Keine Sorge, ich tische euch keine Lüge Marke Ich-habe-alles-was-ich-brauche-auf. Denn es gibt viel zu viele DVD-Boxen, die sich noch nicht in meinem Besitz befinden. Zu viele Folgen Game of Thrones, die ich noch nicht gesehen habe und, machen wir uns nichts vor, mein Asia-Imbiss um die Ecke hat über 300 Gerichte, von denen ich gerade mal 8 probiert habe. Natürlich will ich auch mehr!
Aber mein erklärtes Lebensziel soll es nicht sein immer nach dem zu streben, was ich gerade nicht habe. Stattdessen schlage ich euch was vor.
Lasst uns eine Liste mache mit den Dingen, von denen wir gerade (just in diesem Moment) genug haben. Dinge, über deren Existenz wir uns freuen (und ja, ‚Dinge‘ können jetzt auch Menschen, Tiere und Gefühle sein – verzeiht mir die Verallgemeinerung, okay?).

Ich fange an:
Meine ‚genug‘-Liste:
Kissen
Kerzen
Liebe
Nudeln
Glücksmomente
Bloggerfreunde
Real life Freunde
Kaffeefilter
Finger (soll man nicht unterschätzen!)
Lachfalten um die Augen
Geniale Playlists bei Spotify
Papiertüten
Ü-Eier-Figuren
Ohrringe
Momente für mich
Süße/liebe/rührende WhatsApp Nachrichten
Gründe um zu Lachen.

So! Und jetzt hier. Hinterlasst mir gerne eure Liste mit den Dingen, von denen ihr heute genug habt in den Kommentaren!
Willkommen Generation-‚eigentlich ist das Leben nicht verkehrt‘. 

Euer,

avocadogirl

Ihre Verbindung wird gehalten.

Es gibt tatsächlich Leute, die unter der Dusche telefonieren. Irgendein technisches Wunderwerk erlaubt es uns, trotz Wasserfalldusche und Shampoo in den Augen erreichbar zu sein.

Einige beantworten E-Mails auf der Toilette, kommentieren noch schnell ein Foto bei Instagram und telefonieren, während sie im Fitness-Studio auf dem Laufband sind.

Wenn man von meinem Neid, dass sie 12 Kilometer auf der Stelle rennen können UND dabei genug Sauerstoff in den Lungen haben, um Fragen am Telefon beantworten zu können einmal absieht, finde ich diese Entwicklung einfach nur erschreckend.

Ständige Erreichbarkeit. 

Die meisten meiner Freunde schalten ihr Handy übrigens nie aus. Nicht mal nachts, weil sie es als Wecker nutzen oder eine Einschlafhilfe benötigen, Musik oder ein Hörbuch im Bett hören. Das ist alles okay, das tue ich ja auch! Aber jetzt frage ich mich, habe ich mich von meinem Handy abhängiger gemacht als von meinem WG-Mitbewohner, auf den ich mich verlassen muss, wenn er die Miete überweist oder den Wocheneinkauf übernimmt?

Damals, als ich mein erstes Smartphone bekommen habe, war ich begeistert, habe mit großen Augen das Handbuch studiert und war einfach nur erstaunt über das kleine Teil in meiner Hand, das mir ab sofort das Leben erleichtern wird. Kein Grund mehr meine Kamera mit mir in der Handtasche spazieren zu tragen, habe ich doch mein Handy immer griffbereit.
Telefonnummern der engsten Freunde werden nicht mehr auswendig gelernt, habe doch mein Handy. Kalender, die ich früher gerne mit Freuden ausgefüllt und verschönert habe, plötzlich nur noch unsinniger Ballast im Rucksack.
Mein Smartphone kann alles, was der Gürtel von Batman auch kann. Ich war ein glückliches Batgirl!

Jetzt fühle ich mich eher wie Spiderwomen: Aus großer Macht folgt große Verantwortung!
Ständig bin erreichbar, zu jeder Tages- und Nachtzeit erwartet man eine Antwort.
Auf ein Foto.
Auf einen Tweet.
Auf einer Statusline.
Auf eine E-Mail.
Auf einen Anruf.
Nie hat man geistigen Feierabend, nie hat man eine Pause, nie kommt man wirklich zur Ruhe.

Was ist auf „Ihre Verbindung wird gehalten“ geworden?

Jetzt schalte ich mein Handy abends aus. Ich lasse es im Büro, wenn ich im Wohnzimmer sitze, ich lege es nicht auf den Tisch, wenn ich mich mit Freunden im Restaurant treffe und checke nur noch vier mal täglich meine Meldungen.
So sehr ich mein Handy liebe – und das tue ich – desto mehr engt es mich in meinem Leben ein. Wie ein besitzergreifender Freund, der ständig eine innige Umarmung verlangt und in der Löffelchenstellung einschlafen will.
Ich mag meine Freiheit und deswegen gehen mein Smartphone und ich jetzt eine kleine Beziehungspause ein. Vielleicht ist das der Schlüssel zur inneren Ruhe, die ich gerade sehr verzweifelt suche.
Wenn ihr wollt, halte ich euch diesbezüglich auf dem Laufenden.

Wie steht ihr zu eurem Handy? Wird es ausgeschaltet? Wieviele Apps habt ihr? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Es grüßt das handylose

avocadogirl

Meine Schuhe.

Everybody is a critic.

Wieso hast du das denn nicht anders gemacht?

Wieso bist du Veganer? Wäre es nicht besser, wenn … ?

Wieso schreibst du auf deinem Blog nicht über … ?

Das kannst du doch auch anders machen, oder?

Wer kennt die Frage, auf die es keine befriedigende Antwort zu geben scheint, nicht? Früher haben unsere Eltern sie ausgesprochen, doch mir ist aufgefallen, seitdem die sozialen Netzwerke jedem (und zwar wirklich jedem!) eine Stimme geben, nehmen solche Fragen zu. Gerne auch von Menschen, die man nicht kennt und nie im Leben von Angesicht zu Angesicht treffen wird.

Ich halte es für sehr gewagt jemandes Lebensgeschichte nach einem 140 Zeichen langen Tweet bewerten zu können. Dabei blenden viele aus, dass der Tweet aus einer bestimmten Gefühlslage, die manchmal nur vier Minuten und siebenunddreißig Sekunden andauert, geschrieben wurde.
Wenn jemand tweetet: Ich hasse mein Leben!
Dann ist er nicht zwingend depressiv oder lebensmüde. Dann hat er vielleicht nur einen Strafzettel an der Windschutzscheibe gefunden, nachdem die Tüte mit dem Einkauf gerissen und sich der Inhalt über den halben Gehweg ausgeleert hat. Und zu Hause wartet dann auch noch der Briefkasten mit der Rechnung für die kaputte Waschmaschine.

Statt voreilige Schlüsse zu ziehen, einfach einen tröstenden Tweet anbieten. Ist es in der heutigen Zeit so schwer geworden etwas Nettes zu sagen?  

Wir alle haben unterschiedliche Schuhe und laufen unseren eigenen Weg. Niemand ist in meinen Schuhen meinen Weg gegangen. Ebenso, wie ich nie in deinen Schuhen deinen Weg gelaufen bin. Wieso bewerten wir aber die Wahl der Schuhe und die Entscheidung eine Wanderroute ganz ohne Karte zu nehmen?
Wann wurde aus Zuspruch immer häufiger Kritik? Wann wurde aus Begeisterung eine Meinung zu jedem Thema?
Und wann wurden wir alle zu Reich-Ranicki?

Ich wünschte mir manchmal, wir könnten alle unsere Schuhe ausziehen, die Füße in den Sand halten und am Lagerfeuer quatschen so wie früher? Ohne die Wahl der Ernährung oder der Lieblingsband bewerten zu müssen? Das wäre doch mal toll.

Seid nett zueinander. #schuheaus

Euer

avocadogirl

 

Zufrieden.

In meinen letzten Beiträgen ist mir aufgefallen, dass ich ein bisschen danach klinge, als wäre ich mit meinem Leben, meinem Zuhause oder mir selbst nicht so recht glücklich. Natürlich wird der aufmerksame Leser zwischen den Zeilen entdeckt haben, dass es „nachdenkliches Meckern auf hohem Niveau“ ist. Denn ich bin zufrieden. Sehr sogar.
Doch – wie so vielen Menschen – fällt es mir leichter mich zu fragen, was ich noch alles erleben könnte? Wohin könnte mich mein Weg noch führen? Wo wartet ein noch aufregenderer Moment auf mich?

Deswegen möchte ich den heutigen Beitrag nutzen um mich (und hoffentlich auch euch) daran zu erinnern, dass das Jetzt auch ziemlich genial ist.

Meine Großmutter, mit der ich wahnsinnig viel spazieren gegangen bin, blieb auf eben diesen Runden gerne mal stehen und betrachtete die Blumen auf dem Feld neben uns. Oder einen Vogel, der am Himmel seine Kreise flog. Sie hatte es nie eilig zum nächsten, noch besseren Moment zu hetzen. Ganz im Gegenteil. Sie hat einen Moment nach dem anderen genossen. Lange Zeit habe ich nicht verstanden, wieso sie immer wieder diese Pause eingelegt hat und oft fälschlicher Weise angenommen, es wäre ihrem hohen Alter geschuldet. Doch inzwischen weiß ich es besser. Jetzt, da ich ohne sie spazieren gehen muss (auch wenn ich mir ganz sicher bin, dass sie mich bei jedem Schritt begleitet), bleibe auch ich gerne stehen und lasse die Eindrücke auf mich wirken. Wenn ich zu schnell durch den Tag hetze, verpasse ich die Kleinigkeiten, die mich daran erinnern, dass ich in einer schönen Stadt wohne, die viele Grünanlagen und tolle verstecke Cafés mit hervorragendem Kuchen hat. Danke Oma.
Ich würde ein freundliches Gesicht, das mir im Vorbeigehen einen schönen Tag wünscht, verpassen und vergessen, wie gerne ich Bahn fahre, weil ich es mir zum Ziel gemacht habe, immer einen völlig fremden Menschen anzulächeln. Viele sind von dieser spontanen Attacke der Höflichkeit erstmal überrascht, weil es in der heutigen Zeit eben nicht mehr Gang und Gäbe ist, dass man sich auf der Straße grüßt – auch oder gerade wenn man sich nicht kennt. Doch viele Leute lächeln inzwischen zurück, fast erleichtert und dankbar, wenn ich meinen Blick nicht abwende, nachdem sie mir zunicken.

Ja, ich bin zufrieden. Ich habe keine Garage in die vier Porsche und acht Kleinwagen passen. Keinen Balkon für meinen Topfpflanze, die ich liebevoll seit knapp sieben Jahre hege und pflege und sie sonntags, während der Kaffee kocht am ausgestreckten Arm aus dem Fenster halte, weil ich weiß, dass sie ihren Balkon vermisst.
Trotzdem mag ich meine Wohnung.
Ich mag es, wie die Wachsflecken auf meinem Ikea-Tisch mich daran erinnern, dass Freunde zum Essen da waren und wir bis in die Nacht geredet und Rotwein getrunken haben.
Ich mag die Playlist bei Spotify, die mir mein bester Freund jeden Monat schickt, obwohl wir uns über ein Jahr nicht mehr gesehen haben.
Ich mag die Postkarten meiner Freundin, die sich ein Jahr Work and Travel gegönnt hat und mich durch die kleinen Nachrichten im Briefkasten an ihren Abenteuern teilhaben lässt.
Und ich mag mein Spiegelbild, wenn ich verschlafen aber glücklich am Wochenende mit Zahnpastaschaum im Mundwinkel über dem Waschbecken stehe.

Will ich trotzdem die Welt erobern? Na sicher!
Aber ich will auch immer wieder in mein Leben nach Hause kommen, weil es mein kleines Fleckchen Paradies ist. Und immer bleiben wird.

Und jetzt zu euch. Seid ihr zufrieden? Und wenn ja, was mögt ihr gerade am meisten an eurem Leben? Erzählt es mir doch in den Kommentaren. Ich freue mich immer, von euch zu lesen.
Euer,

avocadogirl

 

Keine Angst.

Ein Gedanke, der mich schon eine kleine Weile begleitet. Was wäre, wenn wir keine Angst hätten. Wenn wir nicht ständig diese gemeine kleine Frage im Hinterkopf hätten, die hektisch gegen die Zweifelstür klopft und ganz aufdringlich fragt.
Aber was, wenn es schief läuft? 

Nun, diese Sorge hat mich die letzten Jahre ziemlich beschäftigt. Viele meiner Freunde haben sich meinen Plan angehört und mich mit, vor lauter Angst, geweiteten Augen angesehen, energisch den Kopf geschüttelt und immer wieder gesagt: Tue es nicht, es könnte schief laufen!
Ich kam mir vor wie beim Pokern (und ich habe keinen blassen Schimmer vom Pokern) als hätte ich alles in den Topf geworfen und mich auf mein Blatt verlassen. (Ihr müsst zugeben, es klingt zumindest so, als hätte ich den vollen Durchblick beim Pokern)
Neue Wohnung, neue Stadt, neuer Job. Das bedeutet neue Freunde finden zu müssen, sich in einer fremden Umgebung zurecht finden und sich in einem neuen Job von vorne beweisen zu müssen. Das ist Stress, das ist Anstrengung und das ist genau das, was ich machen wollte!
Zu lange habe ich in meinem Lebenskokon gesessen und davon geträumt Dinge zu tun, die Leute machen, die ich bewundere. Ständig habe ich – in einem sich der Situation angemessenem Abstand – zu ihnen hoch geschaut und voller Bewunderung ihr Leben beobachtet. Natürlich aus der Ferne.
Bis ich mir eines Abends, nach einem Glas Rotwein zu viel, eine Frage gestellt habe:
Was würdest du in deinem Leben ändern, wenn du keine Angst hättest? 

Die Antwort habe ich mit einem stumpfen Kajal-Stift auf einen rotweinbefleckte Serviette geschrieben und mir am nächsten Morgen mit nüchternem Blick noch mal angesehen.
Ich würde den Job wechseln, in eine fremde Stadt ziehen und meine Wohnung so einrichten, wie es mir gefällt und nicht angestrengt versuchen den Geschmack meiner Eltern oder Freunde zu treffen, die ich dann damit beeindrucken und überzeugen will, dass auch ich erwachsen geworden bin.
Ein halbes Jahr habe ich die Serviette immer in meiner Handtasche mit mir herum getragen. Und mit jedem Tag hat sie sich schwerer angefühlt, als hätte mir jemand Blei in die billige Imitation einer Louis Vuitton-Tasche gelegt. Das wurde wirklich schlimm und hätte zu einem ernsthaften Haltungsschaden führen können – bis ich zu meinem Chef ins Büro gegangen bin und ihm meine fristgerechte Kündigung auf den Tisch gelegt habe. Verrückt, ich weiß! Wahnsinnig verrückt sogar! Und der erste zittrige Schritt in mein neues Leben.
Man kann also sagen, eine Papierserviette hat mein Leben verändert. Denn während ich mich die ganze Zeit gefragt habe:
„Was, wenn es nicht klappt?“
Hat sie immer wieder das gleiche Mantra wiederholt:
„Ja Schätzchen, aber was, wenn es klappt?“

Die Chancen standen immerhin 50:50.

Das ist jetzt alles knapp zwei Jahre her.
Ich bereue den Schritt kein Stück. Nicht mal ein bisschen. Ich habe meinen Rucksack gepackt, habe alles was mir wichtig ist, mitgenommen und bin endlich in mein Leben gestartet. Einfach so, weil ich darauf vertraut habe, dass es genauso gut auch klappen kann.
Ärgere ich mich über manche Kollegen in meinem neuen Job? Klar, sicher.
Bin ich manchmal müde und falle nur halbtot ins Bett? Natürlich.
Quietscht der Parkettboden in meiner Altbauwohnung, die ich im Winter nur dann warm kriege, wenn ich ein kleines Vermögen ausgebe? Oh ja und wie!
Bin ich glücklicher? UM HIMMELS WILLEN JA!

Nein, dieser Blogbeitrag ist keine Aufforderung den Job hinzuschmeißen und meinem idiotischen Beispiel zu folgen. Es soll euch und mich nur daran erinnern, dass die Chancen immer 50:50 stehen. Wieso also davon ausgehen, dass es schief geht?
Habt keine Angst Dinge zu tun, die euch glücklich machen.

Jetzt meine Frage an euch, an die Mutigen, die sie in den Kommentaren beantworten wollen:
Was würdet ihr in eurem Leben ändern, wenn ihr keine Angst hättet? 

Bis hoffentlich zum nächsten Beitrag. Wenn er euch gefallen hat, zeigt eure Liebe! ❤
Euer

avocadogirl