Zufrieden.

In meinen letzten Beiträgen ist mir aufgefallen, dass ich ein bisschen danach klinge, als wäre ich mit meinem Leben, meinem Zuhause oder mir selbst nicht so recht glücklich. Natürlich wird der aufmerksame Leser zwischen den Zeilen entdeckt haben, dass es „nachdenkliches Meckern auf hohem Niveau“ ist. Denn ich bin zufrieden. Sehr sogar.
Doch – wie so vielen Menschen – fällt es mir leichter mich zu fragen, was ich noch alles erleben könnte? Wohin könnte mich mein Weg noch führen? Wo wartet ein noch aufregenderer Moment auf mich?

Deswegen möchte ich den heutigen Beitrag nutzen um mich (und hoffentlich auch euch) daran zu erinnern, dass das Jetzt auch ziemlich genial ist.

Meine Großmutter, mit der ich wahnsinnig viel spazieren gegangen bin, blieb auf eben diesen Runden gerne mal stehen und betrachtete die Blumen auf dem Feld neben uns. Oder einen Vogel, der am Himmel seine Kreise flog. Sie hatte es nie eilig zum nächsten, noch besseren Moment zu hetzen. Ganz im Gegenteil. Sie hat einen Moment nach dem anderen genossen. Lange Zeit habe ich nicht verstanden, wieso sie immer wieder diese Pause eingelegt hat und oft fälschlicher Weise angenommen, es wäre ihrem hohen Alter geschuldet. Doch inzwischen weiß ich es besser. Jetzt, da ich ohne sie spazieren gehen muss (auch wenn ich mir ganz sicher bin, dass sie mich bei jedem Schritt begleitet), bleibe auch ich gerne stehen und lasse die Eindrücke auf mich wirken. Wenn ich zu schnell durch den Tag hetze, verpasse ich die Kleinigkeiten, die mich daran erinnern, dass ich in einer schönen Stadt wohne, die viele Grünanlagen und tolle verstecke Cafés mit hervorragendem Kuchen hat. Danke Oma.
Ich würde ein freundliches Gesicht, das mir im Vorbeigehen einen schönen Tag wünscht, verpassen und vergessen, wie gerne ich Bahn fahre, weil ich es mir zum Ziel gemacht habe, immer einen völlig fremden Menschen anzulächeln. Viele sind von dieser spontanen Attacke der Höflichkeit erstmal überrascht, weil es in der heutigen Zeit eben nicht mehr Gang und Gäbe ist, dass man sich auf der Straße grüßt – auch oder gerade wenn man sich nicht kennt. Doch viele Leute lächeln inzwischen zurück, fast erleichtert und dankbar, wenn ich meinen Blick nicht abwende, nachdem sie mir zunicken.

Ja, ich bin zufrieden. Ich habe keine Garage in die vier Porsche und acht Kleinwagen passen. Keinen Balkon für meinen Topfpflanze, die ich liebevoll seit knapp sieben Jahre hege und pflege und sie sonntags, während der Kaffee kocht am ausgestreckten Arm aus dem Fenster halte, weil ich weiß, dass sie ihren Balkon vermisst.
Trotzdem mag ich meine Wohnung.
Ich mag es, wie die Wachsflecken auf meinem Ikea-Tisch mich daran erinnern, dass Freunde zum Essen da waren und wir bis in die Nacht geredet und Rotwein getrunken haben.
Ich mag die Playlist bei Spotify, die mir mein bester Freund jeden Monat schickt, obwohl wir uns über ein Jahr nicht mehr gesehen haben.
Ich mag die Postkarten meiner Freundin, die sich ein Jahr Work and Travel gegönnt hat und mich durch die kleinen Nachrichten im Briefkasten an ihren Abenteuern teilhaben lässt.
Und ich mag mein Spiegelbild, wenn ich verschlafen aber glücklich am Wochenende mit Zahnpastaschaum im Mundwinkel über dem Waschbecken stehe.

Will ich trotzdem die Welt erobern? Na sicher!
Aber ich will auch immer wieder in mein Leben nach Hause kommen, weil es mein kleines Fleckchen Paradies ist. Und immer bleiben wird.

Und jetzt zu euch. Seid ihr zufrieden? Und wenn ja, was mögt ihr gerade am meisten an eurem Leben? Erzählt es mir doch in den Kommentaren. Ich freue mich immer, von euch zu lesen.
Euer,

avocadogirl